Aber bitte nur bestimmte Migranten

Die Gruppe „Die Neudeutschen“ will Zuwanderer zur AfD locken. Sie selbst strebt eine offizielle Anerkennung durch die Partei an. Inhaltlich ist bei ihr vieles offen – etwa, was sie unter ihrem Ziel der „Deislamisierung“ versteht.

Die AfD hat mehr als 33.000 Mitglieder. Jetzt gibt es im direkten Umfeld der Partei eine Gruppe für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Gruppe heißt „Die Neudeutschen“ und hat 20 Mitglieder. Tatsächlich aber sind es – nimmt man das Wort „Neudeutsche“ ernst – weniger als 20.

Denn schon der Vorsitzende, der in Kasachstan geborene AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen, zählt zu den Russlanddeutschen. Und die sind nach eigenem Selbstverständnis keineswegs „neue“ Deutsche, sondern gebürtige. Indes steht die Gruppe erst am Anfang und wird sich der begrifflichen Klärung noch widmen können.

Zu klären wird auch der Status sein. „Die Neudeutschen“ fühlen sich der AfD zugehörig, sind aber „keine parteiinterne Vereinigung“, wie Friesen am Montagmorgen in Berlin bei der Vorstellung der Gruppe sagte. Gegründet am vergangenen Samstag in Frankfurt am Main von acht Personen soll die Gruppe demnächst in Berlin als Verein registriert werden. Wer nicht der AfD angehört, kann Fördermitglied der „Neudeutschen“ werden. Offen ist, ob sie von der AfD als Migrantenorganisation anerkannt werden. Zwar stehe der AfD-Bundesvorstand diesem Vorhaben „sicherlich aufgeschlossen gegenüber“, sagte Friesen, aber dafür müssten „noch rechtliche Fragen geklärt werden“.

Programmatische Grundzüge aber gibt es schon. Laut Friesen, der sich den Vorsitz mit dem griechischstämmigen bremischen Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Tassis teilt, will die Gruppe etwas gegen das „Bild der AfD als einer angeblich ausländerfeindlichen Partei“ tun und „mit migrationsspezifischen Erfahrungen in die Partei hineinwirken“. Als „neue deutsche Patrioten“ verständen sich die Mitglieder, deren „Loyalität diesem wunderbaren Land“ gehöre.

Kompliziert aber ist es bei der Loyalität gegenüber Zuwanderern, etwa Muslimen. Die Gruppe will laut ihrem „neudeutschen Manifest“ eine „ umfassende Deislamisierung Deutschlands“. Expliziert wird das dann zwar lediglich so, dass man die „Bekämpfung von islamischen Parallelgesellschaften mit ihrem eigenen Rechtssystem“ verlange sowie die „Gleichberechtigung der Frau“. Aber die Wendung von der „umfassenden Deislamisierung“ kann sehr viel Weitergehendes bedeuten. Friesen sagte, in der Gruppe seien „Ex-Muslime“.

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