Anlass zur Vermutung, dass solche Haltungen in den Führungsriegen anderer Rechtsaußen-Parteien ebenfalls verbreitet sind

Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt spricht über mögliche Verschwörungstheorien der Populisten – und denkbare Folgen für die AfD. Ein Interview.

Herr Patzelt, schadet der FPÖ-Skandal um Heinz-Christian Strache den Rechtspopulisten bei der Europawahl?

Das halte ich für wahrscheinlich. Durch den Video-Mitschnitt in dieser Villa auf Ibiza ist ja vor aller Augen geführt, wes Geistes Kind Führungskräfte dieser Partei sind. Und das gibt Anlass zur Vermutung, dass solche Haltungen in den Führungsriegen anderer Rechtsaußen-Parteien ebenfalls verbreitet sind. Die Wähler werden sich jetzt zweimal überlegen, ob sie solchen Leuten ihre Stimme geben.

Wie nahe stehen sich FPÖ und AfD?

Die Ursprünge sind sehr unterschiedlich. Die FPÖ ist die Partei des sogenannten Dritten Österreich – also weder des sozialistisch-sozialdemokratischen, noch des christlich-konservativen, sondern eines es deutsch-nationalen oder liberal-nationalen Wählerpotenzials. In der FPÖ haben sich deshalb einst auch jede Menge ehemaliger Nazis versammelt. Auch nachdem Jörg Haider diese Partei modernisiert und zu einer, zumindest der Oberfläche nach, „normalen“ rechtspopulistischen Partei gemacht hat, sind ihr diese Verbindungen zu rechtsradikalen Gruppen und Haltungen geblieben…

Rassismus und die Nähe zu Neonazis ist auch ein Kennzeichen für die AfD…

Zwar hat auch die AfD viele von jenen rechtsradikalen und rechtsnationalen Kräfte angesaugt, die früher bei der DVU oder NPD waren. Aber sie ist doch ganz wesentlich aus einer zweiten, wichtigen Wurzel entstanden. Sie besteht nicht unwesentlich aus enttäuschten Christdemokraten – also aus Leuten, denen die CDU zu mittig, zu grün, zu sozialdemokratisch geworden ist.

Macht das die AfD deshalb weniger korruptionsanfällig als es die FPÖ ganz offensichtlich ist?

Straches Auftritt in der Ibiza-Villa hat weniger mit rechtsradikalen oder völkischen Haltungen zu tun als mit politische Hintertriebenheit und der Neigung zu arroganter Manipulation auf Korruptionsbasis. Derlei dürfte in den höheren politischen Rängen von nicht wirklich ethisch gefestigten Parteien immer wieder vorkommen.

Bild: Alexander BöhmPolitikwissenschaftler Werner Josef Patzelt, Ausschnittvergrößerung von Frank Schurgast, CC BY-SA 4.0

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