Antifa “besucht” einen Ex-NPD-Chef – Kann Gewalt eine Lösung sein?

Die polizeiliche Meldung vom Wochenende besagte nur, dass es einen “Wohnungseinbruch” und eine “Sachbeschädigung mit politischen Hintergrund” in Berlin-Johannistal gab. Eben so eine typische Blaulicht-Meldung.

Nun tauchte hierzu im Internet bei Indymedia ein Bekennerschreiben auf, wodurch Adressat wie auch Täter bekannt wurden. Antifa-Mitglieder brachen demnach am vergangenen Mittwoch bei Sebastian Schmidtke (Berliner Ex-NPD-Chef) ein. Die Antifa spricht von einem Hausbesuch. Geklaut wurden Laptop und Festplatten. Das Mobiliar wurde zerstört. Laut Schmidtke war von der Wohnung nicht mehr viel zu erkennen berichtet Der Tagesspiegel.

Die Frage wirft sich auf, was die Antifa mit dieser Aktion wieder einmal erreichen wollte. Natürlich gibt es rechtsextreme Angriffe auf linke sowie linksfaschistische Strukturen und auch auf Antifaschisten. Doch kann Gewalt in unserer Gesellschaft nur noch mit Gewalt bekämpft werden? Ist es nicht vielmehr so, dass diese gewalttätige Struktur der Sache schadet? Die Opferrolle der Neonazis ist wieder einmal perfekt. Und das Böse ist auch wieder identifiziert: Die Linken. Das ist nämlich das Problem: In solchen Fällen ist es nicht die Antifa, die Gewalt ausübt, sondern alle wir linksversifften Gegner der Rechten!

Die Rechten differenzieren nicht und Ihr Sprachrohr AfD verkauft die Opferrolle wieder einmal perfekt über die Social-Media-Kanäle.

Der Kampf gegen Rechts kann gut und gerne auf solche Antifa-Aktionen verzichten. Sie zerstören mehr, als das sie helfen. Geht es Teilen von Antifa dabei wirklich um den politischen Kampf? Die Frage muss erlaubt sein, bei solchen Gewaltexzessen. Es ist zu augenscheinlich, dass sich hier hinter mehr kriminelle Energie wie politischer Kampf verbirgt.

Für mich ist ein Kampf gegen Rechts kaum ohne die Antifa vorstellbar. Doch die Antifa die ich kenne und meine verzichtet auf solche dümmlichen Aktionen. Liebe Menschen von der Antifa, überdenkt bitte Eure Aktionen und vor allem die Wirkung nach Außen besser. Denn Euer Hausbesuch in Berlin hat eher geschadet und schon gar nicht geholfen. Vielleicht Eurem Ego, aber nicht der Bewegung gegen Rechts. Versteht bitte auch, dass so etwas eher abschreckt. Vor allem diejenigen, die sich gerne den einzelnen Bewegungen anschließen würden. Für einen friedlichen, solidarischen und konstruktiven Kampf gegen Rechts brauchen wir auch Euch. Die Frage ist nur, ob ihr von der Antifa dazu bereit seid?

Frank Schurgast

Das Bekennerschreiben

In Berlin geht noch was

Am 29.05. Mittwoch haben wir morgens dem ehemaligen NPD-Chef von Berlin Sebastian Schmidtke in Berlin-Johannisthal im Lindhorstweg einen antifaschistischen Besuch abgestattet.

Zu der Person Schmidtke muss nichts mehr gesagt werden. Er ist seid langem aktiver Teil der Naziszene in Berlin.

Nachdem die NPD ihren einzigen Platz im Europarlament verloren hat, hat nun der Partei-Soldat Schmidtke seine Wohnung verloren, zu mindestens vorübergehend.

Zugang zu der Wohnung im zweiten Obergeschoss verschafften wir uns mittels eines präparierten Feuerlöscher. Dieser wurde mit Bitumen gefüllt und als Rammbock benutzt. Die Tür war eindeutig nicht Teil des „Nationalen Widerstandes“ und gab nach dem antifaschistischen Druck schnell klein bei.

Die Wohnung war bei dem Betreten bereits dreckig. Keine Spur von der propagandierten deutschen Sauberkeit und Ordnung. Wir zerstörten alles was in kurzer Zeit möglich war. Bewusst ließen wir die Fenster ganz, um von der Straße nicht gehört zu werden. Wir zerkloppten die Waschbecken, Klo, Möbel, Fernseher und die Türen. Nachdem wir Laptop, Festplatten und Usb-Sticks eingepackt hatten, besprühten wir mit dem Feuerlöscher die gesamte Wohnung. Seine Klamotten, Outdoorausrüstung und seine Waffen sind erstmal nicht mehr zu gebrauchen.

Dass das Schwein einen Outdoorfetisch hat und Prepper ist, ist bereits bekannt. Aber das er eine Armbrust auf dem Bett zu liegen hat, ist ein wenig skurril. Ob da seine drei Äxte im Schrank eifersüchtig werden?

Bevor die Aktion geplant wurde, haben wir diskutiert. Eine Möglichkeit war Schmidtke eine antifaschistische Abreibung zu verpassen oder eben der erfolgte Hausbesuch. Wir sind der Meinung, bei Schmidtke verursacht ein Hausbesuch einen höheren Schaden. Damit ist nicht der finanzielle Schaden gemeint, sondern der psychologische. Seinen Schutzraum haben wir zerstört. Vielleicht sitzt er jetzt jeden Abend auf seinem Sofa (ein neues) mit seiner Armbrust und achtet auf jedes Geräusch.

Ihn werden wir sicher nicht mehr überzeugen können. Aber dies ist eine Warnung, nicht nur an die sich klar positionierenden Nazis. An die AFD, an die sogenannten Wutbürgis und das ganze nationalistische Pack, es kann jeden und jede von euch treffen.

Wir hoffen mit dieser Nachricht Vielen eine Freude zu bereiten und ein Lächeln auf euer Gesicht zu zaubern. Dies ist auch eine Grußbotschaft an Alle, die sich gegen den zunehmenden Nationalismus wehren und ihn bekämpfen. Dabei sind die Wahl der Mittel egal. Jede noch so kleine Aktion und Handlung ist wichtig. Jedoch möchten wir an Alle appellieren, unterstützt die Menschen in den rechten Hochburgen und verlasst wieder eure Wohlfühlzone. Geht weniger in die Clubs und mehr auf die Straße. Die nächste Möglichkeit bietet sich am Samstag in Chemenitz beim „Tag der deutschen Zukunft“ oder beim nächsten Hessaufmarsch in Berlin im August.

Kommt zusammen und passt aufeinander auf.

Bild: Autonome Antifa Berlin

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