„Araber mit Perücke“ und „Schande für Frankreich“ sind die harmlosen Beschimpfungen

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Er wird gerne mit Conchita Wurst verglichen: Der 19-jährige Bilal Hassani tritt ab Dienstag für Frankreich beim Eurovision Song Contest (ESC) an.

Mit platinblonder Perücke, auffälliger Schminke und Nickelbrille gilt der Franzose mit marokkanischen Wurzeln in Tel Aviv als Geheimfavorit. In seinem Lied «Roi» (König) wirbt der Sänger dafür, zu seiner Identität zu stehen – trotz aller Anfeindungen.

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«Ich bin sehr stolz darauf, mein Land zu vertreten», sagte Hassani, nachdem er sich im Vorentscheid gegen bekannte Sänger durchgesetzt hatte. «Ich bin hundert Prozent ich selbst – trotz all der Leute, die mir im Internet sagen, dass ich nicht für Frankreich stehe.»

«Araber mit Perücke» und «Schande für Frankreich» sind noch mit die harmlosesten Schmähungen, die seine Gegner in den sozialen Netzwerken über den jungen Sänger verbreiten. «Du machst uns stolz!», twitterte dagegen die Anti-Diskriminierungs-Organisation Urgence Homophobie (Notfall Homophobie).

Millionenfache Klicks

«Ich bin frei und ich erfinde mein Leben» singt Hassani übersetzt in seinem Song «Roi», in dem sich englische und französische Liedzeilen abwechseln. Und: «Ich entspreche nicht dem herkömmlichen Bild, und das stört sehr.» Der Clip, in dem Hassani sich seine gespreizte Hand wie eine Krone hinter den Kopf hält, wurde mehr als 13 Millionen Mal geklickt.

Vor vier Jahren wurde der Sänger in Frankreich bei der Sendung «The Voice Kids» mit seiner Cover-Version von «Rise Like a Phoenix» bekannt: dem ESC-Siegerlied des österreichischen Travestiekünstlers Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst von 2014.

Conchita ist Hassanis grosses Vorbild. Doch der junge Franzose präsentiert sich femininer als der Österreicher und trägt keinen Bart. Auf YouTube, wo er seine Fans regelmässig mit einem hingeschmetterten «Bonjour Paris!» begrüsst, singt er nicht nur und plaudert über sein Leben, sondern veröffentlicht auch mal Schminkvideos. Die Plattform nutzte er auch für sein Coming Out.

Die Arbeit an seinem Hit «Roi» bezeichnet er als «therapeutisch». Auch heute noch sei es für Menschen wie ihn ein Kampf, akzeptiert zu werden, sagt er. «Es gibt viel Hass, viele Dinge, die mich schwächen könnten» – bis hin zur Selbstzensur. Aber er habe sich entschieden, zu sich zu stehen.

Bild: La VDN

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