“Bürgermeister mit Kippa” – Wunsch eines Juden

Er ist Familienvater, Unternehmer, Fußball-Fan und Jude. Daniel Sheffer (48) führt ein glückliches Leben. Nur die Religion macht es kompliziert. Genauer gesagt: Vorurteile, Diskriminierung – und Antisemitismus. Dagegen wehrt er sich, mit vielen anderen hat er die Initiative „Wir sind Hamburg“ ins Leben gerufen.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Landesrabbiner Shlomo Bistritzky hatten die Kampagne am Donnerstag medienwirksam präsentiert, Daniel Sheffer ist jedoch einer der Köpfe dahinter. Nicht erst seit der Spuckattacke auf hohe Mitglieder der jüdischen Gemeinde weiß er, dass es in Sachen Toleranz noch Nachholbedarf gibt. „Wir sind Teil der Gesellschaft, wollen keine Sonderrolle“, so der Dreifach-Vater. „Unser Alltag ist aber noch immer anders, etwa weil unsere Synagogen mit Sicherheitspersonal bewacht werden müssen.“

„Antisemitismus war in meiner Kindheit kein Problem“
In den vergangenen zwei Jahren wurden mehr als 110 antisemitische Straftaten in Hamburg erfasst, weit mehr als noch vor 43 Jahren, als Daniel Sheffer von Tel Aviv (Israel) nach Hamburg kam.

„Antisemitismus war in meiner Kindheit kein Problem“, sagt er. Mitschüler hätten gewusst, dass er Jude sei, an Feiertagen mal fehlte oder etwas Besonderes zu essen dabei hatte. „Ab meinem 14. Lebensjahr habe ich erstmals antisemitische Äußerungen erlebt“, so Sheffer.

„Jude“ wird als Schimpfwort gebraucht

Beim Fußball seien Mitspieler als „Juden“ bezeichnet worden, wenn sie schlecht gespielt, daneben geschossen haben – auch wenn sie gar keine Juden waren. „Das Wort ,Jude‘ wurde als Schimpfwort benutzt“, sagt Daniel Sheffer mit verbitterter Stimme. Das wollte und konnte er einfach nicht akzeptieren.

Er gründete eine jüdische Studentenorganisation, um aufkommenden Antisemitismus zu bekämpfen. An 70 Schulen brachte er Juden mit Nicht-Juden zusammen, baute so Klischees ab. „Wenn man einander kennt, ist für Antisemitismus kein Platz mehr“, sagt er.

Aber ist jedes Klischee gleich Antisemitismus? Ist es zum Beispiel schlimm wenn man behauptet, dass Juden generell gut mit Geld umgehen können? „Klischees können zu Vorurteilen werden, das gilt auch für diese Aussage“, mahnt Sheffer.

Bild: Screenshot Facebook

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