Das Theater gegen die AfD

Im Staatsschauspiel Dresden wurde «Das Blaue Wunder» uraufgeführt. Es ist eine Groteske gegen die AfD. Und leider auch gegen den Zuschauer.

Dieses Stück wird mit dem Megafon gespielt. Obwohl gar kein Megafon zum Einsatz kommt. Aber das ist der akustische Eindruck: Es wird gebrüllt, gezetert, gejammert, alles auf maximalem Erregungsniveau. Die Idee war wohl: Wenn die Verhältnisse schrill werden, muss man noch schriller dagegenhalten.

Uraufführung von «Das Blaue Wunder» am Staatsschauspiel Dresden. Das Haus ist voll besetzt, die Situation angespannt. Es ist ja eine Groteske gegen die AfD und darüber hinaus gegen die neuen Rechten, ihren identitätspolitischen Eifer. Intendant und Presseteam hatten mit Störungen gerechnet, es wäre nicht das erste Mal, dass AfDler eine Premiere aufmischten.

Aber es passiert: nichts. Kein Aufruhr, kein Skandal, und man muss sagen, Zwischenrufe oder sonstige Einmischungen wären im allgemeinen Geschrei sowieso untergegangen. «Das Blaue Wunder», inszeniert von Volker Lösch, übertönt sich die ganze Zeit selbst. Was an extremen politischen Haltungen in Deutschland zurzeit zu haben ist, «Das Blaue Wunder» verquirlt sie zu einem Potpourri des politischen Irrsinns.

Höcke, Gauland, Poggenburg

Die Handlung bestreiten acht von der deutschen Geschichte irgendwie Abgehängte, Verlierer der Wende, Opfer der Treuhand, Liebhaber von Verschwörungstheorien und Konzepten völkischer Erneuerung. Gemeinsam stechen sie in See auf einem stählernen Dampfer; der ideelle Kompass ist besagtes «Blaues Buch», eine Zitatensammlung rechtsnationaler Gassenhauer.

Höcke, Gauland, Poggenburg: Wer mit skandalösen Meinungen von sich reden gemacht hat, kommt zu Wort. «Die politische Korrektheit liegt wie Mehltau über dem Land», wird «Prediger Höcke» zitiert, und das ist die Erlösungs-Utopie dieser Reisegruppe: dass man dem linksliberalen Mainstream entkommen kann, wenn man sich nur eifrig genug an die Gebote der Radikalisierung hält.

Irgendwann läuft die Sache aus dem Ruder. Der Firnis der deutschen Brüderlichkeit bekommt kapitalistische Risse, die Schiffsgemeinschaft zerfällt in Arme und Reiche. Die Wurst- und Sauerkraut-Diät schwächt zusätzlich Körper und Gemüt. Paranoia, befördert durch einen internen Spitzeldienst, greift um sich. Am Ende macht man gemeinsame Sache mit Vertretern des Islamischen Staats. Die haben Macheten schwingend das Boot geentert, erweisen sich aber nach einem verbalen Schlagabtausch als ideologisch kompatibel. Unter «Heil Allah!»-Rufen hält man im Finale auf den Sächsischen Landtag zu.

Bild: © Staatsschauspiel Dresden

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