Das vergessene Schicksal der arabischen Juden

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Nur wenige Juden leben heute noch in Nordafrika und im Nahen Osten. Nach der Gründung des jüdischen Staates und der Islamischen Revolution 1979 flohen Hunderttausende Mizrahim nach Israel. Über ihr Schicksal wird im Nahostkonflikt so gut wie nie gesprochen.

Jede Diskussion über den Konflikt Israels mit seinen arabischen Nachbarn dreht sich naturgemäss um die etwa 750 000 Palästinenser, die infolge des Krieges von 1948 geflohen sind oder vertrieben wurden. Fast nie zur Sprache kommt allerdings die Flucht und Vertreibung nahezu aller Juden aus der arabischen Welt. Warum ist das so?

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In der Operation «Fliegender Teppich» wurden Zehntausende Juden aus Jemen ausgeflogen. (Bild: Fritz Cohen / Israel Government Press Office)

Bereits 1975 wurde in Paris die World Organisation for Jews from Arab Countries gegründet, die seitdem in Tel Aviv ansässig ist. 2002 entstand in den USA das Bündnis Justice for Jews from Arab Countries. Das israelische Parlament hat über die Jahrzehnte ein Dutzend Resolutionen zu den aus den arabischen Ländern geflohenen und vertriebenen Juden verabschiedet und 2010 den Beschluss gefasst, dass keine israelische Regierung ein Friedensabkommen unterzeichnen darf, das nicht auch die Frage der Entschädigung der jüdischen Flüchtlinge aus den arabischen Ländern und aus Iran regelt. 2014 verabschiedete die Knesset ein Gesetz, das den 30. November zum Tag des Gedenkens an die Flucht der Juden aus den arabischen Ländern und Iran erklärt.

Vergessene Pogrome

Doch ausserhalb Israels sind Diskriminierung, Flucht und Vertreibung der Juden aus Nahost und Nordafrika weiterhin kaum ein Thema. Wer – ausser ein paar Spezialisten – weiss schon etwas über die Pogrome im marokkanischen Oujda und Jérada 1948, die in der demnächst auf Deutsch erscheinenden Studie «Die Juden der arabischen Welt» des Historikers Georges Bensoussan eine wichtige Rolle spielen? Oder über den Farhud in Bagdad, jenes Pogrom des Jahres 1941, das den Auftakt für das Ende der über zweieinhalbtausend Jahre alten jüdischen Gemeinde im Irak bildete? Wem ist heute noch bewusst, dass Ende der 1930er Jahre ein Drittel der Bevölkerung der irakischen Hauptstadt jüdisch war? Und wer hat schon davon gehört, dass sich die deutsche, die schweizerische, die kanadische und die niederländische Botschaft in Kairo in Häusern befinden, die früher im Besitz wohlhabender jüdischer Familien waren?

Irakische Juden verlassen den Flughafen Lod (Israel) auf ihrem Weg zum ma’abara-Transitlager (1951). (Bild: Israel Government Press Office)

Jeder politisch Interessierte, der sich auch nur oberflächlich mit dem Dauerkonflikt Israels mit seinen Nachbarn beschäftigt, weiss etwas über die palästinensischen Flüchtlinge, womit heute in den allermeisten Fällen ihre Nachkommen gemeint sind. Ihr Schicksal gilt bis in die Gegenwart als eines der Haupthindernisse für einen Frieden im Nahen Osten. Die etwa 900 000 jüdischen Flüchtlinge hingegen, die seit 1948 aus den arabischen Staaten und seit 1979 aus Iran geflohen sind, finden kaum Erwähnung. Gegenwärtig leben über drei Millionen Palästinenser, zum Grossteil die Nachfahren der rund 750 000 Flüchtlinge des Unabhängigkeitskrieges von 1948 und des Sechs-Tage-Krieges von 1967, in Israels Nachbarstaaten. Ihr Flüchtlingsstatus wird auf die nachfolgenden Generationen vererbt, wodurch ihre Zahl stetig anwächst.

Titelbild: Israel Government Press Office

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