3. April 2020

Colorful Germany

Für ein buntes Deutschland

Das waren sadistische “Shows” der SS im KZ

Hamburg/Ganderkesee (fs) – Im Stutthof-Prozess gegen einen ehemaligen Wachmann des Konzentrationslagers hat am Montag ein Überlebender im Prozess in Hamburg von schwersten Misshandlungen der Gefangenen berichtet. Der Überlebende Abraham Koryski hat nach eigenen Worten 1944 und 45 mehrfach erlebt, wie die SS sadistische “Shows” veranstaltete. So berichtet er unter anderem davon, dass ein Vater dazu gezwungen wurde seinen Sohn zu erschlagen. Anschließend wurde der Vater von einem SS-Mann erschossen.

Wir wurden ständig verprügelt, die ganze Zeit, auch während der Arbeit.

Abraham Koryski am Montag im Stutthof-Prozess in Hamburg

Diese sogenannten “Shows” habe es quasi jeden Tag und immer spontan gegeben.

Man wusste nicht, ob die Offiziere das auf Befehl machten oder in ihren Pausen. (…) Die Wachmänner seien überall dabei gewesen. (…) Die waren nicht nur auf dem Turm.

Abraham Koryski am Montag im Stutthof-Prozess in Hamburg

Die Wachmänner konnte man sehr gut aufgrund ihrer eigenen Uniformen von den SS-Männern unterscheiden. Hinrichtungen wurden außerdem direkt gegenüber der Wachtürme vorgenommen.

Auch Abraham Koryski war für den Arbeitsdienst eingeteilt. Er berichtet vor Gericht darüber, dass seine Aufgabe die Säuberung des Krematoriums war. Dabei musste er die teilweise noch brennenden Knochen aufsammeln und auf einen Wagen werfen. Die Knochen seien in umliegende Gräben geworfen worden. Als ihm mit 16 Jahren mehrere Zähne ausfielen, habe er dieses niemanden gesagt, “denn das wäre der Anfang vom Ende gewesen”, da ständig nach Gründen gesucht worden war die Menschen zu vernichten.

Der heutige Zeuge im Prozess kam 1944 mit 16 Jahren in das KZ Stutthof bei Danzig. Anfang 1945 überlebte er einen Todesmarsch von Tausenden Gefangenen Richtung Westen. Er wurde, wie so viele, von der Roten Armee befreit. Koryski lebt heute 91-jährig in Israel.

Angeklagt im sogenannten Stutthof-Prozess in Hamburg ist ein 93-jähriger Hamburger, dem die Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen vorgeworfen wird. Zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 soll der SS-Wachmann “die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt” haben.

Bild: © Muzeum Stutthof

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