Der “Blauer Frühling” der AfD-Nazis in Erfurt

Am Tag der Arbeit tarnt die AfD Polemik gegen Einwanderer als Sozialpolitik. Doch eine Machtdemonstration ist die Maikundgebung mit Björn Höcke nicht.

„Höcke, Höcke“, rufen seine Anhänger in Erfurt dem Thüringer AfD-Vorsitzenden zur Begrüßung entgegen. Der 1. Mai hätte ein Heimspiel werden können für Björn Höcke und seine Getreuen. In der Landeshauptstadt entstand 2015 die „Erfurter Resolution“ der völkisch-nationalistischen AfD-Strömung namens Flügel. Die Partei ging hier zeitweise wöchentlich auf die Straße. Aber an diesem Mittwoch kommen weniger Menschen als erwartet: Mit 2.000 Teilnehmern hatte die Polizei am Vortag noch gerechnet, etwa 800 zählt sie später. Eine Machtdemonstration ist die Maikundgebung mit dem Motto „Blauer Frühling“ jedenfalls nicht.

Deutschland-Fahnen wehen im Wind. Viele ältere Menschen sind dem AfD-Aufruf gefolgt, die Männer sind in der Mehrheit. Einzelne Teilnehmer tragen Kleidung von Neonazi-Marken oder Rechtsrockbands. Außer den Höcke-Rufen und den traditionellen Merkel-muss-weg-Parolen werden Sprüche skandiert, die auch bei der rechtsextremen Identitären Bewegung und in der rechten Szene beliebt sind.

Höcke hat Probleme in der eigenen Partei

„Es war zu beobachten, dass es zuletzt keine große Mobilisierung mehr gab“, kommentiert Matthias Quent, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena, die geringe Zahl der Teilnehmer am Rande der Demonstration. Das liege auch daran, dass die Themen der AfD derzeit nicht den medialen Diskurs beherrschten, „den bestimmt derzeit eher Fridays for Future als ‚Ausländer raus‘“. Quent verweist außerdem auf die Konflikte in der Partei: „Der Höcke-Flügel ist parteiintern in Schwierigkeiten, der national-sozialistische Kurs kommt im Westen nicht gut an, vor allem der sozialistische Teil nicht.“

Bild: Screenshot MDR

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