14. Februar 2020

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Faktencheck: Chrupallas (AfD) maßlose Übertreibung um die Opferzahlen von Dresden

Tino Chrupalla von der AfD. Er relativiert gerne Deutsche Weltkriegsgeschichte zu Gunsten der Rechten. / Foto: Screenshot Youtube

Berlin/Ganderkesee (ots/fs) – Tausende Menschen kamen bei alliierten Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 ums Leben. Doch immer wieder wird versucht, mit übertriebenen Opferzahlen die Bombardements der sächsischen Kulturmetropole als beispiellos hinzustellen. Mitunter ist die Rede von bis zu 500 000 oder sogar einer Million Menschen, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in der Großstadt umgekommen sein sollen. Weiterhin sollen Menschen rückstandslos verbrannt sein – dadurch wird der Anschein erweckt, die Zahl der Todesopfer liege in Wahrheit weit höher. Zuletzt teilte AfD-Co-Chef Tino Chrupalla mit: “Ich gehe von etwa 100.000 Opfern aus.” (http://archive.ph/uZdOV)

Bewertung

Wer von 100 000 oder Hunderttausenden Toten spricht, übertreibt. Eine Kommission aus etwa einem Dutzend anerkannter Historiker stellte 2010 fest, dass bei den Luftangriffen auf Dresden nicht mehr als 25 000 Menschen starben. Dass Leichen ohne jegliche Rückstände in großer Zahl verbrannten, schlossen die Experten aus.

Fakten

Vom 13. bis zum 15. Februar 1945 griffen britische und amerikanische Bomberverbände Dresden in Wellen an. Tausende Tonnen Brand- und Sprengbomben fielen auf die Stadt an der Elbe und entfachten einen tödlichen Feuersturm. Ein Großteil des Stadtzentrums wurde nahezu vollständig zerstört (https://v.gd/kQS55v).

Weil die Zahl der Opfer dieser Angriffe über Jahrzehnte umstritten war – die Angaben schwankten in der Regel zwischen etwa 20 000 und 500 000 Menschen -, setzte im Jahr 2004 der damalige Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg eine Historikerkommission ein.

Vor allem Rechtsextremisten hatten die Angriffe immer wieder als beispiellos hingestellt und somit versucht, die deutsche Kriegsschuld zu relativieren. Es war ein Mythos, den schon der Propagandaapparat der Nationalsozialisten am Ende des Zweiten Weltkriegs für sich zu nutzen versuchte.

Die Dresdner Historiker werteten vorhandene Quellen aus. In ihrem fast 100 Seiten starken Bericht kam die Kommission nach mehr als fünf Jahren Forschung zu dem Schluss, dass bei den Angriffen nicht mehr als 25 000 Menschen ums Leben kamen (https://v.gd/zxTr8v).

Die Experten untersuchten unter anderem Friedhofsunterlagen nach Angaben zu den Todesopfern und werteten mehr als 1300 Aussagen von Zeitzeugen aus. Außerdem gingen die Forscher der Behauptung nach, Tausende Menschen seien in einem Flammeninferno spurlos verbrannt – und dadurch liege die Zahl der Todesopfer in Wahrheit weit höher.

Nach der Konsultation von Experten – unter anderem aus Brandschutz, Rechtsmedizin, Archäologie und Architektur – kamen die Historiker aber zu dem Schluss, dass das spurlose Verschwinden einer größeren Zahl von Menschen unmöglich gewesen ist (https://v.gd/fXcBMU).

In einem begleitenden wissenschaftlichen Artikel wird detailgetreu aufgeführt, unter welchen Bedingungen menschliche Körper vollständig verbrennen. Kurz gefasst: Es müssen Temperaturen von mindestens 1000 Grad Celsius über einen längeren Zeitraum kontinuierlich vorliegen. Nach Angaben rechtsmedizinischer Gutachter ist das in Dresden nicht der Fall gewesen. Das würde “vor dem Hintergrund der historischen Tatsachen jeglicher naturwissenschaftlich-logischen Überlegung widersprechen”, heißt es in der Analyse (https://v.gd/NtPgcO).

Dessen ungeachtet behauptet AfD-Co-Chef Chrupalla, das Rote Kreuz habe 1948 von 275 000 Toten geschrieben. Das halte er für glaubwürdiger. Mit derselben vermeintlichen Quelle argumentierte unter anderem auch die rechtsextreme NPD (http://archive.ph/xo37A).

Die Historikerkommission bezeichnet die Angaben in dem mehr als 70 Jahre alten Bericht des Roten Kreuzes als “nicht belastbar” oder “zumindest nicht nachprüfbar” (https://v.gd/bDsRsk). Denn in dem Report von 1948 heißt es ausdrücklich, die Angaben basierten nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern etwa auf Augenzeugenberichten, Zeitungsmeldungen oder Angaben anderer Hilfsorganisationen (https://v.gd/6w77BR).

Die Dresdner Experten überprüften daneben auch weitere Berichte zu angeblich höheren Opferzahlen. Doch weder aus der Rekonstruktion der Ereignisse noch bei der Prüfung von Dokumenten, Erinnerungen, Statistiken oder militärtechnischen Untersuchungen “können belastbare Argumente für Totenzahlen von 100 000 und mehr festgestellt werden”, heißt es vonseiten der Historikerkommission (https://v.gd/qlLYtf).

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