29. Februar 2020

Colorful Germany

Für ein buntes Deutschland

Faktencheck: Diese Zeilen stammen im Original von einer Neonazi-Dichterin

Berlin/Ganderkesee (ots/fs) – In sozialen Medien kursiert ein angebliches Zitat des deutschen Dichters Theodor Körner. Dem 1791 geborenen Schriftsteller wird die folgende Aussage zugeschrieben:

Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk. Dann gnade Euch Gott!

https://t1p.de/greb

Bewertung

Es handelt sich um die leicht abgewandelte vierte Strophe eines Neonazi-Gedichtes. Für eine Urheberschaft Theodor Körners gibt es keinen Beleg.

Fakten

Der Literaturwissenschaftler Erhard Jöst bestätigt der Deutschen Presse-Agentur per Mail: “Theodor Körner hat das nie geschrieben.” Körner seien die Verse, die seinen «vaterländischen Stil» imitierten, untergeschoben worden.

Man findet sie weder in seinen Gedichten noch in seinen Dramen noch in seinen Prosa-Texten.

Literaturwissenschaftler Erhard Jöst gegenüber dpa

Jöst verweist auf seinen Aufsatz “Opfertod fürs Vaterland. Der literarische Agitator Theodor Körner” (https://t1p.de/yq5q). Darin argumentiert der Körner-Experte:

Das angebliche Zitat, das man auch auf großen Spruchbändern bei Demonstrationen der Pegida immer wieder lesen konnte, ist eine Fälschung, die Körners agitatorischen Stil raffiniert imitiert. Allerdings hat Theodor den adligen Regenten seiner Zeit nie gedroht, im Gegenteil.

Literaturwissenschaftler Erhard Jöst gegenüber dpa

Die umstrittenen Zeilen kursieren schon seit Jahren, etwa auf dem rechtsextremen Internetportal MUPINFO. Auch dort werden sie Körner zugeschrieben. Eine auf Youtube abrufbare Dokumentation von 1991 zeigt, dass diese Sätze ähnlich bereits 1990 von einem Mann auf einer Holocaustleugner-Veranstaltung im Münchner Löwenbräukeller vorgetragen wurden

Die Deutsche Presse-Agentur hat diesen Mann, der sich später von der Neonazi-Szene lossagte, kontaktiert. Die von ihm zitierten Zeilen stammen seiner Aussage zufolge nicht von Körner, sondern von der rechtsextremen Schriftstellerin Renate Schütte.

In der Bibliothek des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung hat die Deutsche Presse-Agentur das Gedicht gefunden. Schüttes gesammelte Lyrik erschien 1984 in dritter Auflage unter dem Titel “Der Wind schlägt um”. Die letzten vier Zeilen ihres Gedichtes “Anklage” lauten:

Heut sitzt ihr noch oben, ihr feigen Gestalten, vom Feinde gestützt und uns allen zum Spott. Doch einmal wird wieder Gerechtigkeit walten. Dann richtet das Vok (sic!), und dann gnade euch Gott!

Die letzte Zeile ist zur besonderen Betonung gesperrt geschrieben.

Das vierstrophige Gedicht ist, vereinfacht gesagt, ein Loblied auf den Nationalsozialismus und eine Schmähung der Bundesrepublik. Auch in anderen Werken verherrlichte Schütte die NS-Zeit. Im Gedicht “Wacht auf!” leugnet sie den Holocaust, in “Restdeutschland” nennt sie Hitler einen “Mann, der nur den Frieden wollte”. (https://t1p.de/1sbn)

Herausgegeben wurden die Gedichte von dem rechtsextremen Verleger Thies Christophersen. Während des Zweiten Weltkrieges hatte er als SS-Sonderführer in der Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz gedient. Nach dem Krieg avancierte der Holocaustleugner zu einer Schlüsselfigur der Alt- und Neonazi-Szene in der Bundesrepublik. Mehrfach wurde er zu Geld- und Haftstrafen verurteilt (https://t1p.de/jbu1). Das Vorwort zur 3. Auflage von Schüttes Gedichten schrieb Christophersen in der Justizvollzugsanstalt Neumünster.

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