3. April 2020

Colorful Germany

Für ein buntes Deutschland

Faktencheck: Vier Jahre altes Video verfälscht wiedergegeben – Rechte Fake-News

Berlin/Ganderkesee (ots/fs) – Das Video eines jungen Mannes wird derzeit im Netz verbreitet mit der unwahren Unterstellung, er würde Menschen in Europa mit dem Tod bedrohen. Unter anderem behauptet der bayerische AfD-Bundestagsabgeordnete Johannes Huber, in dem Clip sei ein “kriegerischer Migrant” an der griechischen Grenze zu sehen, der “Ich will euch tot sehen!” (“I want you dead!”) in die Kamera sage. “Dieser junger (sic) Herr wartet darauf, dass Merkel ihn nach Deutschland holt, während die Türkei heute ein Einreiseverbot für Deutsche verhängt hat”, fügt der AfD-Politiker auf seiner Facebook-Seite hinzu.

Bewertung

Das Video zeigt einen offenkundig frustrierten Marokkaner, der wörtlich sagt, selbst sterben zu wollen. Die Aufnahme hat nichts mit der aktuellen Lage an der griechisch-türkischen Grenze zu tun. Der Clip ist mehr als vier Jahre alt und wurde an der Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien aufgenommen.

Fakten

Am 14. März 2020 postet der AfD-Politiker Johannes Huber auf Facebook einen wenige Sekunden langen Clip (https://v.gd/nLlfBi), der einen jungen Mann zeigt, der in gebrochenem Englisch in die Kamera spricht. Der hetzerisch geschnittene und verfälscht wiedergegebene Ausschnitt stammt aus einem Video der Nachrichtenagentur AP vom 4. Dezember 2015.

Auf dem AP-Youtube-Kanal ist die vollständige Sequenz noch zu finden (https://v.gd/Glca1L). Seinerzeit kam es an der griechischen Grenze zu Mazedonien (heute Nordmazedonien) zu Ausschreitungen, weil Skopje nur Menschen aus bestimmten Ländern Zuflucht gewährte.

Der Migrant im Video, der Englisch nur mit schlechter Grammatik spricht, stammt nach AP-Angaben aus Marokko. In dem ausführlichen Ausschnitt fragt er zunächst, warum er und seine Landsleute in Griechenland bleiben müssten: “Why just the Moroccans have to stay here? Why this, why this?”

Danach zählt der Mann auf, warum es sich seiner Ansicht für ihn nicht zu leben lohnt: “I dead, no problem, I want to dead, I want to dead, I don’t have family, I don’t have house, I have problems in my life, I want to just dead.”

In diesem Zusammenhang klar zu erkennen ist, dass der Marokkaner mit “I want to dead” eigentlich meint: “I want to die”. Auf Deutsch also: “Ich möchte sterben”. Nirgendwo ist zu hören, dass der Mann “I want you dead!” sagt, wie unter anderem der AfD-Politiker anderen weiszumachen versucht.

Zudem ist die Behauptung falsch, dass Video habe irgendetwas mit der derzeitigen Lage an der türkischen Grenze zu Griechenland zu tun.

Vielmehr entstand es im Dezember 2015 während chaotischer Tage in der nordgriechischen Grenzstadt Idomeni. Damals durften Gruppen registrierter Flüchtlinge etwa aus Syrien, Afghanistan und dem Irak die Grenze nach Mazedonien passieren, doch für Migranten aus Marokko, Pakistan und Iran endete dort die Reise. Sie wehrten sich dagegen, nach Athen gebracht und ausgewiesen zu werden. Es kam auch zu Kämpfen mit der griechischen Polizei (https://v.gd/JyGwi4).

Mit dem Verweis auf das “Einreiseverbot für Deutsche” in die Türkei suggeriert AfD-Mann Huber eine Aktualität der Aufnahme, die nicht gegeben ist.

Ankara hat vom 14. März 2020 an Reisenden aus der Bundesrepublik und weiteren europäischen Ländern die Einreise untersagt. Damit soll die Ausbreitung des Coronavirus in dem Land eingedämmt werden (http://archive.vn/FFgxU).

Ende Februar 2020 hatte die Türkei erklärt, die Grenze zur Europäischen Union sei für Migranten offen. Daraufhin machten sich Tausende auf den Weg, um aus der Türkei nach Griechenland und somit in die EU zu gelangen. Griechenland wehrt die Menschen jedoch ab. Die EU unterstützt Athen, etwa mit Hilfsgeldern und durch Interventionen der europäischen Grenzschutzagentur Frontex (http://archive.vn/9avVG).

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