Falsches Friedrich II.-Zitat beruht auf Jens Braun von der AfD Burgdorf

Berlin/Ganderkesee (ots/fs) – In sozialen Netzwerken wird seit Jahren ein angebliches Zitat von Friedrich dem Großen geteilt. Der preußische König soll demnach im 18. Jahrhundert gesagt haben:

Ein Staatsoberhaupt, welches sein Volk nicht liebt, für selbiges nicht kämpft und sein Wohl nicht im Sinn hat, ist weniger wert als ein Pferdeapfel.

Bewertung

Es gibt keinen Beleg dafür, dass Friedrich II. diesen Satz gesagt hat. Wortwahl und Inhalt sprechen nach Expertenmeinung stark dagegen.

Fakten

Der älteste Treffer, den eine Internetsuche nach dem angeblichen Zitat liefert, ist auf den 19.11.2016 datiert und findet sich auf der Seite www.myheimat.de. Jens Braun, der sich als Stadtrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD Burgdorf vorstellt, hat den Satz in seinem Profil angegeben. Eine Quelle nennt er nicht.

Knapp zwei Wochen später, am 01.12.2016, veröffentlicht die Facebook-Gruppe «Konrads Erben» ein Sharepic mit demselben Satz und gibt an, Friedrich II. habe ihn zu dem französischen Philosophen Voltaire gesagt. Auch hier fehlt ein Hinweis darauf, wann und wo die Worte gefallen sein sollen.

Der Historiker und Friedrich-Biograph Tillmann Bendikowski bezweifelt aus mehreren Gründen, dass Friedrich die Worte so gesagt hat:

  • Der Begriff «Staatsoberhaupt» sei kein gebräuchlicher Begriff im Preußen des 18. Jahrhunderts gewesen, erläutert Bendikowski auf dpa-Anfrage. Friedrich verwende in seinen Werken in der Regel Begriffe wie “Herrscher”, “König” oder “Fürst”.
  • Es sei unwahrscheinlich, dass Friedrich von der Liebe zum Volk gesprochen habe. “Das Wohl des Volkes war nie die Absicht Friedrichs des Großen, sondern immer das Wohl des Staates”, erklärt Bendikowski. In seinem “Politischen Testament” definiert Friedrich die Aufgaben eines Herrschers so: “Man fordert aber von ihm, dass er werktätig für das Wohl des Staates arbeite und wenigstens die Hauptgeschäfte mit Sorgfalt leite.”

Auch beim Online-Zitate-Portal Wikiquote ist man der Auffassung, die Worte seien Friedrich “fälschlich zugeschrieben” worden, und hat sie deshalb bereits entfernt.

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