Görlitz: Wer hat Angst vor der AfD?

Görlitz in Sachsen wählt einen neuen Oberbürgermeister. Erstmals hat ein Rechtspopulist der AfD Chancen auf das Amt. Einige Bürger wollen das verhindern. Und bekommen dabei ungewöhnliche Unterstützung – aus Hollywood.

Wer Görlitz zum ersten Mal besucht, fühlt sich wahrscheinlich gleich wohl. Historische Bauten zieren eine kopfsteingepflasterte Altstadt – ein großes, altes Rathaus steht in der Mitte. Das schöne Stadtbild lockt nicht nur Touristen in die sächsische Stadt an der Grenze zu Polen. Längst haben internationale Regisseure “Görliwood” als Kulisse für ihre Filme entdeckt.

Jetzt ist das Rathaus von Görlitz selbst zum Schauplatz eines Politdramas geworden. Für Görlitz steht im Empfinden vieler Bürger nicht weniger als das Image der Stadt auf dem Spiel. Das liegt an Sebastian Wippel: Er kandidiert für die rechtspopulistische “Alternative für Deutschland” (AfD) in Görlitz für das Amt des Oberbürgermeisters. Wippel ist bei den rund 56.000 Görlitzern beliebt. Der 37-jährige frühere Polizeikommissar und Landtagsabgeordnete hatte den ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl mit 36,4 Prozent der Stimmen klar gewonnen.

Umstrittene Äußerungen

Als erstes Mitglied seiner Partei könnte er Oberhaupt der Stadtverwaltung werden – Görlitz wäre deutschlandweit die erste Stadt mit einem AfD-Oberbürgermeister. Das besorgt jene Bürger, die die AfD nicht an der Spitze ihres Ortes sehen wollen. Wippel beschwichtigt: “Man braucht vor der AfD keine Angst zu haben”, sagt er der DW. In der Partei seien ganz normale konservative Bürger. “Keine Leute, die irgendjemanden durch die Gegend jagen.” Doch Wippel ist in der Vergangenheit auch durch heftige Kommentare aufgefallen.

Im Bezug auf die Opfer der islamistischen Anschläge in Bayern und Baden-Württemberg hatte er 2016 bedauert, dass es “leider” keine politisch Verantwortlichen getroffen habe. Dabei fiel auch der Name der Kanzlerin. Und auch zu Beginn seiner Zeit als Landtagsabgeordneter und Mitglied einer Arbeitsgruppe Innere Sicherheit machte er sich stark für die “Einführung des Kriteriums ‘deutschenfeindliche Straftat’ sowie die Erfassung des Migrationshintergrundes nach Herkunftsland in der Polizeilichen Kriminalstatistik”. Auf seinem Kandidatenprofil schreibt er: “Unsicherheit, Überregulierung und Minderheitenwahn zerstören jedes eigenverantwortliche Streben.”

Immer wieder fielen AfD-Mitglieder mit provokanten, nationalistischen und teils auch rassistischen Äußerungen auf. “Wir werden Frau Merkel jagen”, kündigte AfD-Fraktionschef, Alexander Gauland, nach der Bundestagswahl 2017 an.

Sorge um das Image der Stadt

All das sollte jetzt nicht mit Wippel als Oberbürgermeister ins Görlitzer Rathaus einziehen, findet vor allem sein Gegenkandidat. “Viele schauen auf Görlitz, es geht um die Ausrichtung für die Zukunft”, sagt Octavian Ursu von der konservativen CDU der DW. Der Musikpädagoge und ehemalige Solo-Trompeter wohnt seit knapp 30 Jahren in Görlitz.

Seit dem Wahlkampf bekommt der gebürtige Rumäne zu hören: Er sei kein waschechter Görlitzer. Ob er oder Wippel am mächtigsten Schreibtisch am Görlitzer Untermarkt Platz nehmen wird, sei entscheidend für das künftige Image der Stadt: “Bleiben wir eine offene Gesellschaft oder schotten wir uns ab, so wie die AfD das propagiert?”, fragt Ursu.

Bild: oberlausitz.com

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