Hollywood-Stars: Görlitzer wählt nicht die AfD

Das gab es noch nie: Hollywood appelliert an die Bürger einer deutschen Stadt – um einen AfD-Wahlsieg zu verhindern. In einem Offenen Brief, der der LVZ vorab vorliegt, rufen internationale Oscar-Preisträger, Schauspieler, Filmemacher und Autoren die Görlitzer vor der OBM-Wahl am 16. Juni auf: „Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin.“

Innerhalb kurzer Zeit hat sich Görlitz den Ruf als Eldorado des internationalen Films erarbeitet. Hollywood-Größen wie Kate Winslet, Emma Thompson oder Georg Clooney drehten in der Stadt an der Neiße, die sich selbst auch gern „Görliwood“ nennt. Immerhin entstanden hier schon mehr als hundert Filme.

Brigitte Broch / Bild: Academia Internacional de Cinema

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Internationale Schauspieler, Oscar-Preisträger, Filmemacher und Autoren rufen die Görlitzer vor der OBM-Wahl am 16. Juni 2019 in einem Offenen Brief auf: „Gebt euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zweitracht und Ausgrenzung hin.“

Brühl, Daldry, Bruch – täglich werden es mehr Unterstützer

Zu den Erstunterzeichnern des Schreibens, das am Pfingstmontag veröffentlicht werden soll und das der LVZ bereits vorliegt, gehören die Oscar-Preisträger Stephen Daldry und Brigitte Broch, die Schauspieler Daniel Brühl („Jeder stirbt für sich allein“), Jana Pallaske („Inglourious Basterds“), Burghart Klaußner („Das Weiße Band“) und Volker Bruch („Babylon Berlin“) sowie die Autoren Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) und Bernhard Schlink („Der Vorleser“).

Stephen Daldry / Bild: The Film Stage

Sie eint die Liebe zu Görlitz: Alle haben bereits in der Stadt mit ihren mehr als 4000 Baudenkmälern aus 500 Jahren gedreht. „Alle Hollywood-Agenturen sind auf unserer Seite – es werden noch einige sehr prominente Unterstützer folgen“, sagt Michael Simon de Normier der LVZ. Der Filmproduzent („Der Vorleser“) ist Mitinitiator des Offenen Briefs.

AfD-Kandidat hat ersten Wahlgang gewonnen

Hintergrund ist die OBM-Wahl in Görlitz: Im ersten Wahlgang hatte am 26. Mai der AfD-Kandidat Sebastian Wippel mit 36,4 Prozent die meisten Stimmen erhalten – würde er bei der entscheidenden Abstimmung am 16. Juni erneut auf dem ersten Platz einkommen, wäre Wippel der erste AfD-Oberbürgermeister Deutschlands. In einer Stichwahl tritt Octavian Ursu (CDU), der vor knapp zwei Wochen 30,3 Prozent erreicht hatte, gegen ihn an.

Octavian Ursu (CDU) / Bild: Octavian Ursu

Die Grünen-Politikerin Franziska Schubert (27,9 Prozent) und die Linke-Kandidatin Jana Lübeck (5,5) haben bereits ihren Verzicht erklärt – und zur Wahl des CDU-Mannes aufgerufen, auch wenn sie dafür „über ihren Schatten springen“ mussten. Die AfD wähnt sich hingegen „auf dem besten Weg, in Görlitz Geschichte zu schreiben“, sagt der aus Görlitz stammende AfD-Bundestagsfraktionsvize Tino Chrupalla, der nach dem Rückzug von Schubert und Lübeck ein enges Rennen erwartet.

Offener Brief: Görlitz ist Symbol des Friedens

Genau in diese Gemengelage stoßen nun die internationalen Künstler: „Als Gäste fanden wir Freunde und Freundschaft, großzügige Gastgeber und Gastfreundschaft wohin das Auge reicht“, schreiben sie in dem Offenen Brief. Görlitz sei für die Unterzeichner ein lebendiges Symbol des Friedens: Die Stadt wurde über Jahrhunderte vom Krieg verschont. „Der Stoff, aus dem Frieden ist, heißt Toleranz. Freiheit ist das Ergebnis“, appellieren sie an die Görlitzer vor der Wahl.

Burghart Klaußner / Bild: burghart-klaussner.de

Und: „Es gilt Probleme zu lösen und die Zukunft überall auf der Welt kann einem manchmal verdammt viel Angst einjagen. Umso mehr: Bitte wählt weise, wenn die Wahl an euch ist, liebe Bürgerinnen und Bürger und Freunde in Görlitz! Verratet nicht eure Überzeugungen, sobald jemand behauptet, er könne die Probleme für euch lösen!“

Titelbild: SiebbiMember of the jury, German actor Daniel Brühl Opening of the 65th Berlin International Film Festival at the Berlinale CC BY-SA 3.0

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