31. März 2020

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Humanitäre Krisen 2020: Ungelöste Notlagen – Hilfsorganisationen behalten fünf Krisen besonders im Blick

Die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft bereiten sich darauf vor, auch in den kommenden Monaten in diesen Krisenländern Nothilfe für die betroffenen Kinder, Frauen und Männer zu leisten. / Foto: Aktion Deutschland Hilft

Bonn/Ganderkesee (ots/fs) – Syrien, Jemen oder die Demokratische Republik Kongo: Das neue Jahrzehnt beginnt mit ungelösten humanitären Notlagen. “Die verheerenden Krisen des Vorjahres werden uns auch in diesem Jahr beschäftigen, nicht zuletzt deshalb, weil sich die Lage der Menschen dort zunehmend verschlechtert”, sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von “Aktion Deutschland Hilft”.

Konflikte halten länger an. Betroffene leben in einem Dauerzustand von Kriegen, Krankheiten und dem Mangel an Nahrung oder gesundheitlicher Versorgung. Es ist besonders schmerzlich zu sehen, wie viele Kinder keinen normalen Alltag kennen, weil sie von Geburt an in diesen Konflikten aufwachsen.

Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von “Aktion Deutschland Hilft”

Die Bündnisorganisationen von “Aktion Deutschland Hilft” stellen sich darauf ein, in 2020 in diesen Krisenländern weiterhin notwendige Hilfe zu leisten.

Sahel: Flucht vor dem Terror

Die terroristische Gewalt in der Sahel-Region droht zu eskalieren. Die Zahl der Anschläge, bei denen zunehmend Zivilisten ums Leben kommen, stieg im vergangenen Jahr rapide an. Laut UN OCHA sind rund 750.000 Menschen vor Gewalt auf der Flucht – zehn Mal mehr als zu Beginn des Vorjahres. Eine politische Destabilisierung der angrenzenden Länder Mali, Niger, Burkina Faso und Tschad hätte für die betroffenen Menschen eine verheerende Auswirkung. Schon heute sind rund 6,1 Millionen Menschen in den betroffenen Regionen auf humanitäre Hilfe angewiesen, über ein Viertel der dort lebenden Bevölkerung.

Ungewiss ist auch, wie sich die humanitäre Situation in verschiedenen afrikanischen Ländern entwickeln wird. Experten befürchten eine Zunahme extremistischer Gewalt in der Sahelzone. Etwa eine Million Menschen in Burkina Faso, Mali und Niger waren bereits zur Flucht gezwungen. Und da viele Landwirte ihre Felder nicht bewirtschaften können, verschärfen die Unruhen den Hunger in der Region: Mehr als 6 Millionen Menschen sind dort auf Humanitäre Hilfe angewiesen. / Foto: Aktion Deutschland Hilft

Syrien: Instabile Nachbarstaaten

Seit Anfang Dezember letzten Jahres sind erneut rund 350.000 Menschen vor der andauernden Gewalt im Norden Syriens auf der Flucht. Nach fast neun Jahren Krieg befinden sich rund 11,7 Millionen Menschen im In- und Umland in einer humanitären Notlage. Aufgrund der Lebensgefahr für Helfer und der mangelnden humanitären Korridore können Hilfsorganisationen Geflüchtete nur in Nachbarländern versorgen. Sollte es jedoch im Irak und im Libanon zu weiteren politischen Destabilisierungen kommen, fürchten die Bündnismitglieder von “Aktion Deutschland Hilft”, dass die Menschen keinen Schutz mehr in diesen Ländern finden und humanitäre Hilfe weiter erschwert wird.

Seit Kriegsbeginn 2011 finden Menschen aus Syrien kaum Sicherheit. Weder innerhalb noch außerhalb des Landes. Die Familie von Mariam ist erst vor wenigen Wochen aus der umkämpften Region Idlib geflohen. „Wenn ich das Geräusch von Flugzeugen höre, zittere ich am ganzen Körper und habe Angst. Ich erstarre vor Angst“, sagt sie. / Foto: Aktion Deutschland Hilft

Jemen: Gefahr vor Epidemien

Laut Schätzungen von UN OCHA werden wie im Vorjahr rund 80 Prozent der jemenitischen Bevölkerung in diesem Jahr auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Rund 24 Millionen Kinder, Frauen und Männer leiden dort unter Gewalt, Hunger, Krankheiten und den zusammengebrochenen sozialen und wirtschaftlichen Strukturen. Trotz des Riad-Abkommens herrscht weiterhin ein unübersichtlicher Krieg. Besonders die Ausbreitung von Cholera und dem vor kurzem registrierten Dengue-Fieber bereitet den Hilfsorganisationen im Bündnis “Aktion Deutschland Hilft” Sorgen. Einer möglichen Epidemie wären die Menschen ohne medizinische Unterstützung schutzlos ausgeliefert.

Auch die Krise in der Demokratischen Republik Kongo dauert an. Konflikte haben bereits Hunderttausende zur Flucht gezwungen. Zudem wüten gefährliche Krankheiten. Ebola, Masern und Cholera kosteten allein im vergangenen Jahr Tausende Menschen das Leben. / Foto: Aktion Deutschland Hilft

Demokratische Republik Kongo: Ebola, Cholera und jetzt noch Masern

Die angespannte Sicherheitslage und vermehrte Angriffe auf Ebola-Behandlungszentren erschweren die Hilfsmaßnahmen in dem von Gewalt und politischen Unruhen gezeichneten Land. Zwar sinkt die Ansteckungsrate kontinuierlich, eingedämmt werden konnte der Ebola-Krankheitserreger bisher aber nicht. Da die Bevölkerung nach wie vor zur Flucht gezwungen ist, wird das Virus weitergetragen. Auch Krankheiten wie Cholera und Masern brechen erneut aus, weil den fliehenden Menschen der Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung fehlt. Regelmäßige Verletzungen des humanitären Völkerrechtes stellen Helfer vor große Herausforderungen und gefährden auch ihr Leben.

Dabei gehören Cholera und Masern zu den Krankheiten, die gut zu behandeln sind. Doch nicht die Krankheiten allein fordern Gesundheitshelfer heraus: Antibiotikaresistenz, Vorbehalte von Menschen gegenüber Schutzimpfungen und Angriffe erschweren ihre Arbeit etwa in Ländern wie der DR Kongo, dem Jemen und Syrien. / Foto: Aktion Deutschland Hilft

Bangladesch: Ein unverantwortlicher Akt

Mehr als eine Million Rohingya leben noch immer als Staatenlose in Flüchtlingslagern in Bangladesch. Laut Regierungsangaben soll die Umsiedlung der Rohingya auf die hochwassergefährdete Bhasan Char Insel auf freiwilliger Basis erfolgen. Diese Praxis ändert nichts daran, dass es aus humanitärer Sicht ein unverantwortlicher Akt ist. Sollte es wirklich zu einer Umsiedlung kommen, werden sich in der kommenden Monsunzeit tausende Menschen in Lebensgefahr befinden.

Die Arbeit für humanitäre Helfer ist in diesen Vierteln häufig schwierig. Die Lage ist unübersichtlich und oft fehlen langfristige Lösungen für die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Ein Beispiel sind die Rohingya: Seit 2017 sind Hunderttausende Angehörige der muslimischen Minderheit aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. Doch auch dort können sie nicht bleiben – wie ihre Zukunft aussehen wird, ist ungewiss. / Foto: World Vision

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