Ich lebe hier, Punkt

Die Diskussionsreihe in der Bundeskunsthalle widmet sich dem Austausch zu aktuellen gesellschafts- und kulturpolitischen Themen weltweit.

In der achten Folge diskutiert die Moderatorin Nicola Albrecht (Nahost-Korrespondentin ZDF-Studio Tel Aviv) mit ihren Gästen über den Status quo Israel 71 Jahre nach seiner Staatsgründung und beleuchtet die Zusammenhänge und Auswirkungen von Antisemitismus und Rechtsradikalismus in Europa.

Teilnehmer/-innen sind:

  • die israelische Schriftstellerin Lizzie Doron,
  • die arabische Israelin Suzan Badran,
  • der deutsche Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent,
  • der Mode- und Produktdesigner Kilian Kerner,
  • der Buchautor und Mitarbeiter der israelischen Regierung im Ministerium für Nachrichtendienst Arye Shalicar

„Die Judenfrage ist keine religiöse, sie ist eine nationale Frage. Wir sind ein Volk, ein Volk“, schrieb der Publizist und Hauptbegründer des politischen Zionismus Theodor Herzl Ende des 19. Jahrhunderts. Wo aber steht Israel im 71. Jahr nach seiner Staatsgründung? Viele meinen, dass sich Israel von einer ausgesprochen heterogenen Gesellschaft, in der Diversität gewollt ist und gelebt werden sollte, immer stärker in Richtung einer rechts-religiösen Gesellschaft bewegt. Welche Stimme hat die liberalere Bevölkerung in den Wirtschaftszentren Israels heute?

Israels erster Ministerpräsident David Ben Gurion wollte, dass sich das Land zu einem Schmelztiegel entwickelt. Als der Staatsgründer am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeit erklärte, schwebte ihm der „neue Jude“ vor, eine Art säkularer sozialistischer Pionier, der sich durch körperliche Arbeit das Land zu eigen macht. Aber dieses Bild hatte mit der Wirklichkeit der verschiedenen jüdischen Völker, die sich im Staat Israel trafen, wenig zu tun. Die europäischen Juden planten und regierten das Land. Die Elite schuf die Grundlage einer Unternehmerkultur, die auf dem Hochtechnologiesektor heute zur Weltspitze gehört. Wer der „neue Jude“ ist, ist heute so unklar wie vor siebzig Jahren.

Die Schattenseite des erfolgreichen israelischen Staatsaufbaus waren die Auseinandersetzungen mit den dort lebenden Palästinensern und deren schließliche Vertreibung. Zu dieser Problematik gehört jedoch auch, dass die jüdische Bevölkerung aus den außereuropäischen Ländern in Israel systematisch schlechter behandelt wurde.
„Man ist in Europa nicht selbstverständlich Jude. Man muss jeden Tag dafür kämpfen“, so zitiert die taz einen jüdischen Niederländer in einem Artikel über Antisemitismus in Europa. Hass auf Juden ist keine private Meinung. Die Sprache beginnt, sich zu verändern und mit ihr das Denken: Das Aufwiegelnde, Spaltende, Diffamierende wird alltäglicher. Das völkische Denken, bei dem Menschen nach ihrer biologischen Herkunft bewertet und in Klassen mit mehr oder weniger Rechten eingeteilt werden, gewinnt an Raum. Und irgendwann folgt die Tat auf das Wort. Deshalb ist es vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe, rechten Bewegungen gegenzusteuern und zu beweisen, dass eine Gesellschaft, in der Freiheit und Gleichheit gelten, die bessere Alternative ist.

Die Diskussion will einen Blick auf das Innere Israels werfen, das einen erstarkenden Rechtspopulismus verzeichnet. Gleichzeitig versucht sie deutlich zu machen, dass Antisemitismus und Rechtsradikalismus in Europa zwei Seiten derselben Medaille sind.

Die Diskussion wird englisch-deutsch übersetzt.

Eintritt: 9,50 €/ermäßigt 6 €

Weitere Infos direkt hier: https://www.bundeskunsthalle.de/

Bild: ISR-2013-Aerial-Jerusalem-Temple Mount 02CC BY-SA 4.0

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