Bei der Kippa-Demonstration in Berlin gegen Judenfeindlichkeit.

“In allen Religionen ist Wahrheit zu finden”

Wege zum Dialog: Die Theologische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hatte zu einem interreligiösen Studientag eingeladen.

Wer eine Kippa trägt, muss befürchten, auf offener Straße beschimpft zu werden. Jüdische Schüler werden bedroht, jüdische Restaurants angegriffen. Laut einer Studie der EU vom Dezember haben 41 Prozent aller jüdischen Deutschen 2018 Antisemitismus erlebt. Eine erschreckend hohe Zahl. Sicherheitsvorkehrungen, wie sie etwa vor Synagogen üblich sind, findet Annette Böckler, Fachleiterin Judentum am Zürcher Institut für Interreligiösen Dialog, dennoch problematisch. Für sie sind Antisemitismus und auch die Reaktionen darauf bereits Teil einer Außenperspektive auf ihre Religion: Dass Jüdinnen und Juden als verfolgt oder schwach dargestellt würden, sei bereits ein Klischee, ebenso wie Medien oft plakativ ultra-orthodoxe Ausprägungen des Judentums ausstellten: “Damit werden wir bereits als ‚die Anderen‘ gezeigt, dabei wollen wir eigentlich die Gesellschaft von innen heraus aktiv mitgestalten.”

Woran liegt es, dass von vielen Religionen so viele Zerrbilder im Umlauf sind? Was wissen wir eigentlich von Glaubensrichtungen, die nicht unsere eigenen sind? Religion ist nicht mehr Privatsache, sondern wieder auf der politischen Tagesordnung gelandet, wenn auch eher unfreiwillig: durch Anfeindungen, Vorurteile, Hetze. Dabei ist es dringend nötig geworden, Stereotype zu unterlaufen und einander über die Glaubensgrenzen hinweg kennen zu lernen. Wie aber kann ein interreligiöser Dialog gelingen, und wie führt er zu einem fruchtbaren Ergebnis? Diese Frage haben fünf Studierende des Fachbereichs Theologie an der Freiburger Uni gestellt und einen Studientag organisiert, an dem sie Vertreterinnen und Vertreter der drei großen monotheistischen Religionen zum “Dialog zwischen Kippa, Kreuz und Kopftuch” mit Workshops und Diskussionen eingeladen haben.

“Wir müssen als Muslime ernst nehmen, dass es nicht eine Wahrheit gibt, sondern viele”, sagt Hamideh Mohagheghi, islamische Theologin, die an der Universität Paderborn lehrt. Mit ihrem Wunsch nach einer “Vielfalt der Stimmen” stößt sie auf Zustimmung in der Runde. “In allen Religionen ist Wahrheit zu finden”, sagt Günter Riße von der Universität Bonn und sieht Bedarf, auch die Universitäten und den Religionsunterricht in Schulen vielfältig zu besetzen. In seinem Wohnbezirk in Bonn, erzählt er, seien 80 Prozent der Grundschüler muslimischen Glaubens.

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