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Rassismus Rechtsextremismus

In Sachsen haben Oberschüler Anti-Rassismus-Workshop mit rechtsextremistischen Ausfällen gestört

Seit 17 Jahren veranstaltet Irmela Mensah-Schramm Anti-Rassismus-Workshops an Schulen und war damit schon fast überall in Deutschland zu Gast. Mitunter wird sie dabei auch mit fremdenfeindlichen Kommentaren der Schüler konfrontiert, doch was sie in einer 8. Klasse im Erzgebirge erlebte, sei “definitiv der Gipfel”. Am 10. Mai wollte Irmela Mensah-Schramm ihr Projekt “Hass vernichtet!” in einer Oberschule im Erzgebirge vorstellen. Der Name der Schule ist MDR SACHSEN bekannt, aber die Aktivistin bat darum, ihn nicht zu veröffentlichen. Auch zum Schutz der wenigen Schüler, die ihr Entsetzen teilten über das, was sie in dieser Doppelstunde erleben musste.

Gelächter bei Berichten über Behinderte

Mensah-Schramm berichtet: “Als ich erzählte, dass ich früher mit schwerstbehinderten Kindern gearbeitet hatte, kam hämisches Gelächter. Als ich sagte, dass es da nichts zu lachen gibt, vier von ihnen seien unter qualvollen Umständen gestorben, wurde das Gelächter noch hämischer.” Die 74-Jährige fuhr laut ihrem schriftlichen Protokoll dennoch fort mit ihrem Projekt, dem kunstvollen Übermalen von neonazistischen Parolen. Diese findet sie an Häuserwänden oder Laternenmasten und bringt sie in Kopien an die Schulen. Aus Hakenkreuzen werden tanzende Männchen oder Blumen, Hassbotschaften werden korrigiert oder mit Herzen übermalt.

Lehrerin greift nicht ein

Den Schülern hatte sie dafür Vorlagen gegeben, um selbst “kreativ” zu sein. Einer der Schüler strich bei “Lasst Menschen verrecken” das Wort “Menschen” durch, ersetzte es durch “Antifas” und malte SS-Runen daneben. “Das ist strafbar, die Lehrerin hätte eingreifen müssen” zeigt sich Mensah-Schramm noch zwei Wochen später entsetzt. “Das einzige Mal, dass die Lehrerin eingehakt hat, war, als sie mich aufgefordert hat, den Vortrag fortzusetzen, der ja massiv gestört wurde.”

Am Ende der Doppelstunde gab Irmela Mensah-Schramm den Schülern die Möglichkeit, anonym ein Feedback abzugeben. Die handgeschriebenen Zettel durfte MDR SACHSEN im Original einsehen. Darin heißt es unter anderem (Rechtschreibung nicht korrigiert): “Ich habe ein fach eine ide für sie gehen sie in kz und mach sie die Gaskammer an”, “ich kack auf ihre Meinung”, “Antifaschistisches Veräter Pack”.

Bild: Neckar-Chronik

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