Internationale Wochen gegen Rassismus: Frühstart in Hanau

Eigentlich geht es mit den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ erst am 11. März los, in Hanau aber ist man wie in den Jahren zuvor schneller, hat sich bewusst für einen Frühstart entschieden, weil der Einsatz für „100 Prozent Menschenwürde“ nicht an ein bestimmtes Datum gebunden ist, wie der lokale Koordinationsrat betont.

So wird bereits am Donnerstag dieser Woche, 7. März, um 19 Uhr im Stadtladen die Ausstellung „Nichts war vergeblich“ eröffnet. Sie wird gemeinsam veranstaltet von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Main-Kinzig der Frauenbeauftragten der Stadt Hanau, der DGB-Region Südosthessen und dem Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945. Zu den Gästen werden sprechen die Hanauer Frauenbeauftragte Monika Kühn-Bousonville, Ulrike Eifler, DGB-Region Süd und Gudrun Schmidt vom Studienkreis Deutscher Widerstand.

Die neue Ausstellung „Nichts war vergeblich“ würdigt den Mut von Frauen, die sich gegen den Terror des NS-Systems stellten. 18 Biographien stellen dar, wie in vielfältiger Weise die Frauen dem Regime die Gefolgschaft verweigerten.

In der Galerie „Freihafen“ im Hafentor wird die Ausstellung „#freeyourvoice – Gib deiner Stimme eine Farbe“ am Sonntag, 10. März um 16 Uhr eröffnet. „Ausdrucksstarke, außergewöhnliche Fotografien von Rabea Herzog und ein besonderer Roman von Daniela Hartig verbinden sich zu neuen Sichtweisen auf Maskulin und Feminin, die Gleichstärkung der Geschlechter in ausdrucksvollem Wort und Bild“, verspricht der Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation (KUZ).

Ebenfalls am Hafentor steht die „Sozialschmiede“ von Joachim Harbut und Klaus-Jürgen Guth, gemeinsam mit der Baugesellschaft und dem KUZ organisiert. Wir schweißen zusammen mit Herz und Verstand für mehr Menschlichkeit, für unseren Frei(R)Baum am Hanauer Hafentor, ist das Motto der Aktion mit verschiedenen Workshop-Terminen.

„Alle Menschen werden Brüder“ heißt es ab Montag, 11. März, um 11 Uhr auf dem Marktplatz vor dem historischen Neustädter Rathaus. Sanja Zivo und ART13 haben aus Verbundenheit und Liebe zu Menschen und Kunst eine Kunstaktion konzipiert, die den Hanauerinnen und Hanauern während der Internationalen Wochen gegen Rassismus die Möglichkeit bietet, Gedanken und Gefühle, die nicht immer verbal vermittelt werden können, zu den Themenfeldern „vertraut–fremd/ähnlich–verschieden/Angst–Stärke/Nähe–Distanz/Dialog–Respekt/Mut–Schutz/Vorurteil–Toleranz, an einer „Mauer“ künstlerisch auszudrücken. Die Kunstaktion wird einigen Tagen von Künstlerinnen und Künstlern betreut und besonders an de Markttagen für Aufsehen sorgen.

„Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus – Erkenntnisse aus den aktuellen Forschungen zum Antisemitismus im Alltag und in verschiedenen Institutionen“, will die Jüdische Gemeinde Hanau ebenfalls am Montag, 11. März, darstellen. Prof. Julia Bernstein präsentiert die Befunde aus den neueren Forschungen im Bereich Antisemitismus. Besonderer Wert wird auf die Perspektiven der Betroffenen in Bezug auf den Antisemitismus im Alltag und im schulischen Bereich gelegt. Julia Bernstein ist Professorin für soziale Ungleichheiten und Diskriminierungserfahrungen im Fach Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Wilhelmstraße 11a.

Ebenfalls am 11. März wird die Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus 1922–1945“ um 19 Uhr im 5. Stock des DGB-Hauses am Freiheitsplatz eröffnet. Männer und Frauen aus vielen europäischen Ländern haben gegen den Faschismus gekämpft. Die Ausstellung in deutscher, französischer, niederländischer und englischer Sprache wurde im Sommer 2013 erstmals im Europäischen Parlament in Straßburg gezeigt. Sie lebt durch eindrucksvolle Bilder und reproduzierte Dokumente, die die knappen erläuternden Texte unterstreichen und ist bis 12. April zu sehen.

„Deutsch-jüdisches Leben in Jerusalem“ zeigen die Jüdisch Chassidische Kultusgemeinde Breslev, die Volkshochschule der Stadt Hanau (VHS) und der Förderverein der VHS von 12. März bis 9. April im VHS-Gebäude am Ulanenplatz. Die Einführungsveranstaltung der Foto-Ausstellung von Moshe Schlass findet am 12. März ab 18.30 Uhr jedoch in der Aula der Tümpelgartenschule, Ulanenplatz 3, statt.

Rabbiner Moshe Schlass / Bild: ארץ ישראל

Rabbiner Moshe Schlass verbringt mehrere Stunden am Tag, 6 Tage die Woche, an der Klagemauer in Jerusalem. Dort verbindet, interagiert und fotografiert er die Menschen an der Mauer. Es ist diese Kombination aus Weltreisen, Hippie-Beatnik-Vergangenheit und seinem Hintergrund als Gastronom, die ihm helfen, die Einheit der Menschen zu erkennen und fotografisch festzuhalten. Die Vielfalt des Judentums und insbesondere der deutschen Juden in Jerusalem stehen dabei im Mittelpunkt.

Ebenfalls am Dienstag 12. März beginnt um 18.30 Uhr in der Thalia-Buchhandlung im Forum die Lesung unter dem Titel „Grenzenlose Gedanken“ von und mit Gerhard Roth. In seiner bewegten Vita als Matrose, Havarieinspektor, Post- und Finanzamtsangestellter, Bereitschaftspolizist und Intensivfachpfleger lernte der gebürtige Hanauer, Jahrgang 48, das Schreiben in Frankfurt und Darmstadt. Seine vielfältigen Eindrücke brachten ihn zum Verfassen von Lyrik, Kinder- und Erwachsenenbücher wie Novelle, Theaterstücken, Sachbücher und Kurzgeschichten. Er wird auch am Mittwoch, 13. März, ab 15 Uhr in der Teestube im alten Fischerhaus, Mittelstraße 2 in Kesselstadt, lesen.

Das Frauenbüro Hanau, das Referat Erwachsenenbildung im Dezernat Bildung im Landeskirchenamt und das Netzwerk gegen Gewalt laden am 12. März um 19 Uhr ein in die Räume der Familienakademie der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, Französische Allee 12. Dort erwarten die Gäste Film, Theater und Diskussion zum Thema „Wo Mädchen wenig wert sind – eine Jugend im Zeichen der Ehre“.

Der Film ist eine Dokumentation von Rainer Fromm. Im Fokus stehen Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund, deren Familien in Deutschland nach streng traditionellen Werten leben. Wer sich beim Thema Heirat dem Willen der patriarchalen Familie widersetzt, wird zwangsverheiratet oder hat weitere Repressalien zu erwarten. Zuvor werden die „HeRoes“ eine kurze Aufführung zum Thema Familienehre darbieten. „HeRoes“ sind junge Männer mit Migrationshintergrund, die sich für Gleichberechtigung einsetzen und die Unterdrückung der Frauen und Männer im Namen der Ehre bekämpfen – das ist das Ziel des Projekts „HeRoes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre, für Gleichberechtigung“. In den theaterpädagogischen Rollenspielen werden schließlich kontroverse und sensible Themen wie Ehre, Gewalt, Geschlechterrollen, Frauenrechte und Menschenrechte besprochen, diskutiert und dargestellt.

James “Bar” Bowen / Bild: bandcamp

Ein Konzert mit James „Bar“ Bowen veranstaltet das KUZ am Dienstag, 12. März, ab 20 Uhr im Schnurstraxx, Schnurstraße 2. „Bar“ Bowen ist Sänger, Songschreiber, Gitarrist und Geschichtenerzähler. Er hat seine Acoustic-Folk-Punk-Songs überall auf der Welt gespielt und auch Gigs und Festivals in seinem eigenen Haus in England veranstaltet. Seine Songs und Performances sind originell, aktuell, relevant, sarkastisch, politisch, optimistisch, poetisch, mehrsprachig und manchmal sogar schön – so versprechen die Veranstalter…

Am Mittwoch, 13. März, geht es um 18. 30 Uhr im Haus am Steinheimer Tor in der Steinheimer Straße (1. Stock, Raum 110) weiter. Unter dem Titel „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ laden die Initiative Menschen in Hanau und Hanau engagiert ein zu Lesungen, Sketchen und Diskussion. Dabei geht es um die Macht der Sprache und die Sprache der Macht und die Frage: Wann wird Sprache rassistisch? Die Lesungen werden durch kurze Sketche aufgelockert. Gemeinsam möchte man Menschen aller Generationen, mit und ohne Behinderung, aus anderen Ländern und Kulturen zusammenbringen, die Rassismus wahrnehmen und darüber nachdenken.

Im Kulturforum am Freiheitsplatz heißt es am Donnerstag, 14. März, ab 19 Uhr „Rabbi Rothschild erzählt aus seinem Leben und singt (Leider)Lieder“, veranstaltet vom Ausländerbeirat der Stadt Hanau und dem KUZ. Rabbiner Walter Rothschild wird mit Max Doehlemann am Klavier zu Gast in Hanau sein. Der Berliner Rabbiner, Weltbürger, Autor, Eisenbahn-Spezialist und Kabarettist, bekannt auch aus dem Berliner Tatort, erzählt aus seinem Leben und singt Lieder. Zu erwarten ist britischjüdischer Witz, Charme und Biss. Begleitet wird er vom Komponisten Max Doehlemann an (oder unter) dem Klavier.

Am Freitag, 15. März, geht es von 18.30 bis 19.30 Uhr bei Thalia im Forum um „Jungle Flavors“. Afrikanisches Küche ist nicht so greifbar wie italienische oder gar griechische – genau dieses Problem haben die Eheleute Ssemombwe erkannt und kurzerhand ihre erste Gastronomie in der Hanauer Altstadt eröffnet. Am 15. März bringen sie den Geschmack Afrikas in die Thalia! Das Beste: nach der Zubereitung folgt das Reinbeißen!

Nochmal Freitag, 15. März: Um 21 Uhr beginnt im JuBiKuz Hans Böckler, Sandeldamm 19, das Konzert von „Strom & Wasser: Eine Million gegen Rechts!“, Veranstalter: sind der Trägerverein KUZ und „Die Linke“ – und sie präsentieren als Support die lokale Kultband „The Companions“!

Musikalische Eingreiftruppe gegen Rassismus: Die Band “Strom & Wasser” / Bild: Kieler Nachrichten

Nach zwölfjähriger Bandgeschichte präsentiert sich Strom & Wasser angriffslustiger, spielfreudiger und bunter denn je: 100 Konzerten in 100 Städten – 1 Million gegen Rechts! Der Auftritt von Heinz Ratz und seiner Band „Strom & Wasser“ hat ein besonderes Anliegen: Es sollen insgesamt 1 Million Euro gesammelt werden, um sie bedrohten soziokulturellen Zentren und selbstverwalteten Jugendhäusern zur Verfügung zu stellen, deren Existenz er in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg durch rechtspopulistische Mehrheiten in den kommunalen Parlamenten bedroht sieht.

Finnischer Tango mit Bändi / Bild: Die Fabrik – © Karin Wagner

Die musikalische Alternative am 15. März bietet der Jazzkeller in der Philippsruher Allee: Um 21 Uhr heißt es dort „Bändi“ – Finnischer Tango, veranstaltet vom Jazz Club Hanau. „Mitreißend, charmant und ein wenig melancholisch“ schrieb die FAZ über diese ganz eigene Hommage an den Finnischen Tango mit dem das Ensemble den creole-Welt -musikpreis Hessen gewann. Aus der Jurybegründung: „Bändi spielen gekonnt mit dem skurrilen Charme dieser Musik und schaffen es, der speziellen Tango-Schwermut einen beträchtlichen Spaßfaktor abzugewinnen.“

Das Forum Gemeinsames Hanau lädt in Kooperation mit „Schnittstelle Film & Media Production“ zu einem Videodreh gegen Rassismus ein. Der Drehtag unter professioneller Anleitung findet am Samstag,16. März, ab 10 Uhr statt, der Veranstaltungsort ist noch offen und hängt vom Drehort ab. Zusammen möchte man einen einzigartigen Spot präsentieren, der die Zuschauer anregt, über das Thema „Rassismus und Diskriminierung“ nachzudenken und zu diskutieren. Wer Lust hat mitzumachen schreibt einfach eine E-Mail an k.clemens@gemeinsamhanau.de.

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