Jahr des Gedenkens und der Ehre – Die große russische Lüge

Im nächsten Jahr wird man weltweit den 75. Jahrestag des Sieges über den Faschismus feiern. In Russland wurde gleich das ganze Jahr 2020 zum Jahr des Gedenken und der Ehre erklärt. Es ist der 75. Jahrestag des Sieges im sogenannten Vaterländischen Krieg. Und das soll nach Willen Wladimir Putins entsprechend gefeiert werden.

In der letzten Woche hatte Putin erstmals über die Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten berichtet. Es wurde eigens ein Sonderausschuss mit 16 Arbeitsgruppen gebildet. Die Vorbereitungen sollen bereits auf Hochtouren laufen.

Putin sieht sich als großer Bewahrer der historischen Wahrheit. Für ihn war dieser Tag das größte Ereigniss im 20. Jahrhundert. Er vergisst dabei auch nicht den Preis, den die Welt für den Sieg über den Faschismus zahlen musste.

Der zweite Weltkrieg war schon alleine wegen der Shoa das schlimmste Verbrechen an der Menschheit. Und natürlich hat auch Russland und das russische Volk damals unendlich gelitten. Das eine Nation dieses nicht abstreifen kann ist verständlich. Sie soll es auch nicht. Und sie muss auch Bewahrer dieses historischen Wissens bleiben, was für alle alliierten Nationen gilt.

Im Umkehrschluss bedeutet dieses aber auch, dass wenn ich als Nation einen solchen Anspruch hege, ich diesem aber auch selbst gerecht werden muss. Dieses beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Und diese besagt nun auch einmal, das es Stalin in seinem ureigenen faschistischen Wahn war, der den Tod von wahrscheinlich Millionen Menschen Russland aufgebürdet hat. Am Ende war dieses ein ebenfalls nicht entschuldbares Abschlachten von Menschen, die nicht in das Schema passten. Dieses zieht sich auch bis in die heutige Geschichte Russlands, denkt man beispielsweise an die krankhafte Homophobie Putins. Auch er bürdet seinem Russland die Verantwortung auf, dass homosexuelle Menschen ist Russland innerhalb einer modernen Hexenjagd diskriminiert und verfolgt werden.

Und wir reden hier noch nicht einmal über die Kriege in Afghanistan, Tschetschenien oder der Krim. Müssig wäre es jetzt auch hier noch über den Umgang mit der Meinungsfreiheit oder mit Systemkritikern zu sprechen. Wir wissen alle, wie desaströs die Lage in Russland ist. Und wenn man sich dann auch noch überlegt, dass ein ganzer Putin-Stab noch die rechtsextremistischen Parteien, wie beispielsweise die AfD, in den EU-Ländern unterstützt, dann weiß man erst Recht um die Lage Russlands.

Der Faschismus hat viele Facetten. Und er endete nicht mit dem zweiten Weltkrieg. Er entwickelt sich nur weiter.

In sofern ist das ganze Gedenkjahr nicht mehr als eine große Lüge Russlands, nein, vielmehr ist Putin der, der die eigene Nation belügt, weil er Wahrheiten als unbequem empfindet.

Frank Schurgast

Bild: kremlin.ruMilitary parade on Red Square 2017-05-09 048CC BY 4.0

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