Jüdin erhält Drohbrief mit Asche: Ich schäme mich für mein Land. Ein Kommentar

Wieder einmal Berlin, wieder einmal antisemitische Übergriffe. Erst wird ein jüdischer Schüler in Charlottenburg angegriffen und geschlagen. Und nun am Mittwoch wurden auf einem Friedhof in Weißensee mehrere Gräber jüdischer Soldaten geschändet.

Am Ende haben wir noch eine 61jährige jüdische Frau in Berlin Tiergarten, die einen Drohbrief mit Asche (der Staatsschutz spricht von einer ascheähnlichen Substanz) erhalten hat. Eine unbescholtene Berlinerin, die ihren Glauben noch nicht einmal nach Außen trägt.

Wieder einmal sitze ich vor den Tages-News und wieder einmal muss ich mich fragen: Was ist nur aus meinem Deutschland geworden. Eine Heimat, von der ich dachte, sie sei demokratisch und stark genug aufkeimende Neonazis, wie die der AfD, und Antisemitismus mit den nötigen Mitteln einzudämmen. Die engagierten Bürger tuen zumindest das ihrige.

Stattdessen beginnt der Staat zu kapitulieren und ruft zum Nichttragen der Kippa auf. Nun will ich nicht dem Bundesbeauftragten für Antisemitismus, Felix Klein, falsches Gedankengut unterstellen, denn bei ihm steht sicherlich die Sorge um unsere jüdischen Mitbürger im Vordergrund, aber ich spreche ihm jegliches Feingefühl und strategisches Denken ab.

Wieso sollen sich Juden in Deutschland wieder verstecken müssen? Nein, sie müssen sich genauso wenig verstecken wie andere Religionsgemeinschaften. Deutschland ist und bleibt ein freies Land und der Glauben ist für die meisten Menschen eine feste Grundlage Ihres Lebens.

Genauso fatal ist jedoch die Ansicht von Dr. Josef Schuster (Zentralrat der Juden) in seinem Glauben, die AfD hätte den Zenit überschritten und nun werde alles schon wieder gut. Auch so können wir nicht herangehen an die sich erst im Anfang befindliche Problematik des neu aufflammenden Antisemitismus. Ein Antisemitismus, der übrigens weltweit neu aufflammt und dessen Drahtzieher finanzstarke Menschen in der arabischen Welt sind, mediale Jonglier-Künstler, die ihre Glaubensbrüder und -schwestern für ihren Kampf gegen den Staat Israel missbrauchen.

Doch diesem Deutschland spreche ich eine besondere Schwere der Schuld zu. Dieses Deutschland weiß was es bedeutet Millionen jüdischer Menschen auszuradieren. Ein Genozid ohne Gleichen hängt diesem Land an und dieses Land hat es in über 70 Jahren nicht geschafft diesen grausamen und beschämenswerten Teil seiner Geschichte aufzuarbeiten.

Ich schäme mich für mein Land wenn ich höre, dass es bereits wieder jüdische Mitbürger gibt, die ihre Heimat aufgrund der Unsicherheit wieder verlassen wollen oder zumindest ernsthaft darüber nachdenken. Ist es schon wieder soweit das Deutsche vor Ihren Landsleuten flüchten müssen?

Frank Schurgast

Bild: Privatsammlung Rosen

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