Juna Grossmann: Schonzeit vorbei

Juna Grossmann wird den Lesern des HalleSpektrums bekannt vorkommen. Sie ist schon seit längerer Zeit unsere charmante Ratgeberin, was Fragen des Judentums betrifft. Sie hat nun ein Buch über den täglichen Antisemitismus, der ihr in den letzten 17 Jahren begegnet ist, mit dem Titel „Schonzeit vorbei“ geschrieben, dass wir gerne vorstellen wollen.

Über das Buch

Ein erschütternder Bericht der alltäglichen Judenhetze – und ein aufrüttelnder Appell

Juna Grossmann arbeitet in einer NS-Gedenkstätte und beobachtet seit Jahren, wie offene judenfeindliche Angriffe zunehmen, lauter werden, bedrohlicher. In ihrem Buch schildert die jüdische Deutsche das Leben unter diesem permanenten antisemitischen Beschuss, berichtet vom Wachsen einer Angst, die sie vor einigen Jahren noch nicht kannte, und davon, wie sie eines Tages merkte, dass auch sie mittlerweile auf gepackten Koffern lebt, bereit zur Flucht vor dem Hass.

Weil sie sich damit nicht abfinden will, geht sie in die Öffentlichkeit, schreibt sie dieses Buch und appelliert an die Mitbürger: „Steht zu uns, helft uns, greift ein! Denn auch für euch ist die Schonzeit vorbei.”

„… Juden nur auf der Durchreise…“

Juna Grossmann ist in der DDR aufgewachsen, sie ist eine echte Berliner Pflanze. Ihre Eltern sind Deutsche, ihre Großeltern waren Deutsche. Juden gab es auf dem heutigen deutschen Boden seit dem römischen Reich. Sie lebten hier, bevor es überhaupt Deutsche gab. Als sie Anfang 20 ist, wurde ihr gesagt, sie solle endlich in ihre Heimat zurückgehen. Fast zur gleichen Zeit wurde sie von einem Rabbiner gefragt, ob sie wirklich zu ihrem jüdischen Glauben bekennen möchte: „Du könntest jetzt in Sicherheit leben, wenn du niemanden sagst, was du bist.“ Eine trügischere Sicherheit, wie sich schon einmal herausgestellt hat.

Frau Grossmann hat sich für ihr Judentum entschieden und dafür braucht sie sich nicht zu rechtfertigen. Als ich das erste Mal in ihrem Blog irgendwiejüdisch herum blätterte, hatte ich das Gefühl, dass eine Jüdin in Deutschland nichts mehr Besonderes ist. Es stellte sich ein Gefühl von Normalität ein. Ich sollte mich täuschen. Seitdem fremdel ich wieder mit Deutschland. Nur das Grundgesetz hält mich aufrecht. Bei Frau Grossmann, so zeigt das Buch, setzte der Prozess schon viel früher ein. Es ist nicht der gewaltsame Angriff, der sie hat umdenken lassen, es sind die vielen, vielen Alltagserlebnisse, die ihr und dem Leser Angst machen. Seitdem sitzt sie auf gepackten Koffern.

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