Karl-Eduard von Schnitzler: „Goebbels der SED“ und Antisemit

Mit seinem „Schwarzen Kanal“ war Karl-Eduard von Schnitzler der übelste Propagandist des SED-Regimes. Und er war Antisemit. Einen anderen Schluss lassen seine hasserfüllten Kommentare nicht zu.

Wer im Berlin der 30er-Jahre seine Jugend verbrachte, der hörte und las zwangsläufig täglich übelste judenfeindliche Schmähungen. In den gelenkten Zeitungen sowieso, aber auch im Alltag. Nicht von allen Berlinern, auch nicht von den meisten – aber von einer beträchtlichen und vor allem lauten Minderheit.

Karl-Eduard von Schnitzler, geboren 1918 im noblen Vorort Dahlem in eine großbürgerliche Familie, war zwar schon früh aus Rebellion gegen seine Herkunft zum überzeugten Kommunisten geworden, der er sein Leben lang blieb, bis zu seinem Tod 2001. Aber eben gleichzeitig und untrennbar zum Antisemiten.

Das kann man ablesen an zahllosen Passagen der rund 50.000 Blatt Sendemanuskripte zu seiner Propagandashow „Der schwarze Kanal“, die vom 21. März 1960 bis zum 30. Oktober 1989 fast jeden Montagabend im DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der Historiker Clemens Escher hat jetzt die Rolle untersucht, die Israel im „Schwarzen Kanal“ gespielt hat. Veröffentlicht ist der Aufsatz in einem lesenswerten Sammelband über Antisemitismus in der DDR, den jetzt Wolfgang Benz herausgegeben hat, der frühere Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin.

„Mit schier unerschütterlicher Redundanz“, so Escher, habe „Schnitzler in Sachen Israel NS-Vergleiche und eine Täter-Opfer-Umkehr“ bemüht. In der Tat zieht sich dieses Thema durch unzählige der insgesamt 1518 Sendungen.

Manchmal sagte es Schnitzler ganz offen, etwa am 20. September 1982, als er Israel vorwarf: „Da ist es ein Schritt bis zur ,Endlösung‘, zum Holocaust“. Am 19. April desselben Jahres sagte er, Israels Ministerpräsident Menachem Begin begründe „seinen Holocaust an den Palästinensern“ alttestamentarisch. Das waren eben keine Ausrutscher, wie die Sendung vom 20. Juli 1981 zeigt, als Schnitzler vom „Holocaust am arabischen Volk von Palästina“ sprach. Acht Jahre zuvor, am 14. Mai 1973, hatte er Israel einen „auf Rassismus aufgebauten Nationalsozialismus“ genannt.

Bild: Screenshot Twitter

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