Konstantin Wecker: Demaskierendes Ibiza-Video bietet große Chance

Linz (KAP) – Das Ibiza-Video, das ein politisches Erdbeben in Österreich auslöste, bietet nach Überzeugung des bayerischen Liedermachers Konstantin Wecker “eine große Chance” auf ein Umdenken: Es sei “fast wie eine Satiresendung”, wie sich der zurückgetretene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache darin benommen habe; durch seine demaskierenden Äußerungen sei etwas klar geworden, so Wecker: “Diese rechtspopulistischen Parteien wie FPÖ, AfD oder Salvini in Italien tun immer so, als seien sie die Parteien des kleinen Mannes”, würden diesen aber “nur als dummen Wähler” wollen und ansonsten Eigeninteressen verfolgen. Er hoffe, dass sich nun viele anderen politischen Strömungen zuwenden – “bis auf die ewig Sturen, die es immer geben wird”, meinte der Musiker.

Konstantin Wecker äußerte sich in einem Interview, das die Linzer “KirchenZeitung” (Ausgabe 22/2019) mit ihm im Hinblick auf seinen Auftritt am 19. Juli gemeinsam mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie bei “Klassik am Dom” führte. In seinem aktuellen Programm “Weltenbrand” wird Wecker seine Leidenschaft für klassische Musik auf die Bühne bringen und zugleich als bekennender Pazifist seine Stimme gegen den Krieg und den drohenden Faschismus erheben.

“Es gibt Länder in Europa, die drohen faschistisch zu werden. Das hätte sich vor drei Jahren kein Mensch vorstellen können”, sagte der Liedermacher in dem Interview. Auch Strache habe verdeutlicht, “was die FPÖ mit dem Rundfunk, mit der Presse vorhatte, und das ist – ich muss es so sagen – eine Sauerei”. Dass dies durch das Video sichtbar wurde, “wird auch Auswirkungen auf Deutschland haben”, erklärte Wecker. “Die AfD hält sich jetzt dezent im Hintergrund, aber das Ganze wird, so glaube ich, auf alle rechtspopulistischen Parteien in Europa ein notwendiges Licht werfen.”

Ihn stimme optimistisch, dass gleichzeitig, wenn auch unauffälliger, mit bedenklichen politischen Entwicklungen “eine spirituelle Revolution im Gange ist”, sagte Wecker. Mit Papst Franziskus habe er eine gemeinsame Forderung – nämlich eine “Revolution der Zärtlichkeit”. Laut Konstantin Wecker braucht eine neue Politik auch eine neue Spiritualität – “mit mehr Mitgefühl, mehr Menschlichkeit”, wie der Musiker sagte. “Mit dem Materialismus alleine werden wir es nicht schaffen. Eine Welt ohne Spiritualität und Poesie erstickt in gnadenlosem Funktionalismus.”

Die Frage, ob Musik die Welt verändern kann, wies Wecker als “falsch gestellt” zurück. Zu fragen sei vielmehr: “Wie sähe die Welt aus, wenn … es die vielen nicht gäbe, die sich für andere einsetzen oder die Flüchtlingen geholfen haben?” Ohne diese “kleinen Mosaiksteinchen” sähe sie noch viel schlechter aus, betonte Wecker. “Ich glaube, seit Jahrzehnten hat die Kultur immer etwas zum Positiven hin verändern können.”

Konstantin Weckers Konzert mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter der Leitung von Markus Mast findet am 19. Juli um 20 Uhr am Linzer Domplatz statt.

Rolando Villazón gegen Rassismus und Hetze

In der Ausgabe 21/2019 der Linzer “KirchenZeitung” hatte sich auch Opernstar Rolando Villazón im Hinblick auf sein “Klassik am Dom”-Konzert und sein politisches Credo geäußert. Der aus Mexiko stammende Sänger, der in jungen Jahren Priester werden wollte, begründete sein soziales Engagement mit dem Hinweis darauf, dass kein Mensch eine Insel sei. “Wir haben eine Verantwortung als Menschen, über den eigenen Tellerrand zu blicken, uns für die Welt und unsere Mitmenschen zu interessieren, Empathie zu haben, andere zu unterstützen – vor allem, wenn man so privilegiert lebt, wie wir es in den Industrienationen größtenteils tun.”

Kunst müsse nicht per se politisch sein, sagte Villazón. Aber die jedem zukommende gesellschaftliche Verantwortung bedeute für ihn: “Für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Hetze gegen andere Menschen sowie Gewalt gegen Mensch und Umwelt habe ich überhaupt kein Verständnis und stelle mich vehement dagegen – und das sage ich auch laut und deutlich.”

Rolando Villazóns Konzert findet am Samstag, 13. Juli, um 20 Uhr statt. Weitere bei “Klassik am Dom” vertretene Künstler sind heuer Martin Grubinger, Katie Malua und Tom Jones. (Info: www.klassikamdom.at)

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