Lachgeschichten: AfD lädt Bischofskonferenz ein

Gestern wurde ich gefragt, wonach ich eigentlich die Lachgeschichten auswähle. Machen wir kein Geheimnis draus: Alle Presseerklärungen der AfD einfach auf den Tisch verteilen, Augen schließen und mit dem Finger kreisend auf eine tippen. Bingo!

Und wenn man dann zu lesen beginnt und das Gefühl hat, dass der gute Jan Böhmermann als Ghostwriter agierte, dann liegt man genau richtig. Aber nun zu unserer heutigen Lachgeschichte.

Wir rufen uns noch einmal die Kirchentage und Konferenzen der letzten Tage und Wochen in Erinnerung. Keiner hatte nun so wirklich Lust auf die rechtsextreme AfD. Ist ja auch verständlich und ich wäre der letzte gewesen, der dieses kritisiert hätte. So langsam hat sich nun auch die AfD wieder aus Ihrer Opferrolle heraus gepult. Und ein gewisser Joachim Kuhs, seines Zeichen nicht nur im Bundesvorstand der AfD, nein, auch Bundesvorsitzender der Christen in der AfD, meldete sich heute via Pressemitteilung zu Wort.

Es geht um die “Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen” der Deutschen Bischofskonferenz.

Diese Arbeitshilfe warnt offiziell vor Populismus, insbesondere dem Rechtspopulismus. Sie warnt jedoch implizit vor der AfD, die zwar kein einziges Mal erwähnt, deren Repräsentanten im Kapitel zum Antisemitismus aber völlig sinnentstellend zitiert werden. Dabei kämpft die AfD so entschieden gegen den Antisemitismus jeglicher Couleur, dass selbst Michael Wolfssohn, ein bekannter jüdischer Historiker nach der Pro-Israel-Abstimmung im Bundestag gesagt hat, man könne nach dieser Abstimmung die AfD nie mehr als antisemitisch bezeichnen.

Joachim Kuhs, AfD

Bravo Herr Kuhs. Gleich am Anfang seiner Pressemitteilung gelingt ihm das Herausstellen eines großen Schwachpunktes der Arbeitshilfe der Bischofskonferenz. Denn im Ton manchmal zu versöhnlich spricht sie wirklich nur vom Rechtspopulismus, meint aber in der Tat vor allem die AfD. Hier müsste also Folgerichtig vom Rechtsextremismus gesprochen werden, denn man sollte es schon richtig benennen. Vielleicht wird die Arbeitshilfe hier dementsprechend noch nachgebessert.

Nun wird Joachim Kuhs allerdings erst ein wenig wärmer und so sieht er die AfD auch gleich noch als Heilsbringer für das jüdische Volk und als Erretter aus dem Antisemitismus. Herhalten muss gleich der wahrscheinlich ahnungslose Michael Wolfssohn. Woher das Zitat stammen soll ist mir selbst schleierhaft, ich finde zumindest kein Beleg dafür, wollte aber durch eine dümmliche Nachfrage auch nicht die wertvolle Zeit von Herrn Wolfssohn in Anspruch nehmen.

Richtig ist aber, dass Michael Wolfssohn mal folgendes zu bedenken gab, was man bei MDR wie folgt nachlesen kann:

“Laut Wolffsohn wird in der Wahrnehmung eines Teils der Juden diese ‘muslimische Gefahr’ in Deutschland nicht energisch genug bekämpft: ‘Das ist eine große Sorge, die in der jüdischen Gemeinschaft besteht.'” Hierbei ging es darum, dass einige jüdische Mitbürger durchaus offen für die AfD bzw. die Gruppe Juden in der AfD sein könnten. Den ganzen Artikel findet man hier.

Und wie sehr die AfD am Ende antisemitisch ist, dass zeigt allein die Aussage von Jörg Meuthen gegenüber einem Spiegel-Journalisten: “Die AfD ist dezidiert israelfreundlich, Antisemitismus liegt uns fern, wir hatten sogar zwei jüdische Landtagskandidaten in Baden-Württemberg. Wenn jüdisches Leben heutzutage bedroht ist, dann doch eher durch radikalisierte Moslems.” (hier findet man die entsprechende Spiegel-Story) Hier geht die formale Distanzierung von der Judenfeindschaft allgemein mit einer Verschiebung des Problems spezifisch auf Muslime einher. Typisch für die AfD und gleichzeitig ein ideales Mittel um Hass zu schüren.

Nun aber weiter mit der Presseerklärung von Joachim Kuhs.

Die AfD steht auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Sie achtet vollumfänglich die Würde aller Menschen und jeder Christ in der AfD übt sich persönlich und im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Gottes- und Nächstenliebe.

Joachim Kuhs, AfD

Spätestens hier sind wir nun mitten in der Lachgeschichte. Eine rechtsextremistische Partei wie die AfD steht nun auf dem festen deutschen Boder der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Reiches… Nee, sorry, da ging es mit mir durch. Also sie meinen schon noch Deutschland. Die Frage ist nun doch wirklich, ob der gute Herr Kuhs nun das glaubt was er schreibt. Oder denkt er am Ende, dass Blau in der Parteifarbe stamme von der FDP oder ist das neue Rot der SPD. Und einen Moment lang möchte ich ihn einfach nur noch anschreien: Mensch Joachim, du bist bei der AfD, den Rechtsextremisten im Bundestag, in der Partei, die einen großen braunen Haufen auf unsere Grundordnung scheißt. Man, man, man…

Okay, aber dann denke ich mir: Brauner reg Dich nicht auf… Ups, manche althergebrachten Sprüche sollte man in der heutigen Zeit vielleicht noch einmal überdenken.

Nun scheint dieses aber noch nicht genug zu sein. Nein die menschenfreundliche AfD achtet vollumfänglich unsere Würde. Also ausdrücklich die aller Menschen. Okay (sehr langgezogenes Okay). Gut so Herr Kuhs. Sagen sie diesen Satz zuhause noch einmal in den Spiegel und wenn Sie dann nicht Anfangen zu lachen, dann sind sie für die Menschheit, dessen Würde sie so sehr achten, bereits verloren. In 2 Wochen bin ich Gast bei einem Sinti-Treffen und wenn ich dann die Lacher auf meiner Seite benötige, weiss ich jetzt schon was zum Dauerbrenner an diesem Abend wird. Ganz ehrlich, dass ist doch nicht sein ernst, oder? Erinnert irgendwie an die letzten Tage von Erich Mielke: “Ich liebe doch alle Menschen…”.

Es ist am Ende eher nur noch erbärmlich, peinlich und kaum zu glauben, wie jemand von der AfD dann auch noch von der Gottes- und Nächstenliebe spricht. Als Christ dreht sich bei mir der Magen um. Schämen sie sich.

Ich lade die Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz zu einem Dialog mit den Christen in der AfD ein. Vielleicht erkennen sie dann, dass sie Vorurteilen aufgesessen sind.

Joachim Kuhs, AfD

Auch wenn ich es mir kaum vorstellen kann, dass diese Einladung angenommen wird, frage ich mich am Ende von welchen Vorurteilen hier gesprochen wird. Vielleicht davon, dass man die AfD laut richterlichen Urteil nun schon seit längeren als rechtsextrem bezeichnen darf? Oder das ein AfD-Mitglied sich über die Soldaten der Luftwaffe nach dem Eurofighter-Unglück lustig machte? Oder das die AfD direkt nach dem Mord an Walter Lübcke nur Häme übrig hatte? Oder das…

Frank Schurgast

Bild: Screenshot Youtube

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