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Mein offener Brief an Attila Klaus Peter Hildmann

Lieber Herr Hildmann,

am Anfang meines Briefes an Sie bin ich gleich hin und her gerissen, kann ich mich doch nicht zwischen dem freundlichen Du und den formellen Sie entscheiden. Ich wäre ja gerne mit Du angefangen, doch hindern mich zwei Dinge extrem daran. Zum einen waren da auf einmal so viele Vornamen. Dabei dachte ich immer der Attila ist der Attila. Ein starker und gewichtiger Name aus der Geschichte: Attila der Herrscher. So von den vielen Goten genannt. Oder doch eher die verniedlichte Form von Atta, dem Vater? Aber dann auch noch die guten deutschen Namen Klaus und Peter. Es hat mich verwirrt. Und zum Zweiten ist ja die Du-Form auch immer etwas persönliches, freundschaftliches oder ehrbares. Und irgendwann habe ich mal in meinem Leben beschlossen, dass ich es mir echt einfach mache. Die Menschen, die ich mag, die duze ich und die, die ich nicht mag, die sieze ich.

Aber genug dieser freundlichen Schwafelei Herr Hildmann. Da waren Sie ja echt mal eine richtige Größe. Ins Fernsehen haben Sie es mit Ihrer veganen Kochkunst geschafft. Bücher haben Sie geschrieben. Und, dass muss ich Ihnen ja lassen, beinahe, Sie waren wirklich so kurz davor, beinahe hätten Sie mich dazu gebracht vegan leben zu wollen. Oder sagen wir mal als Teilzeitveganer. Man muss es nicht gleich übertreiben. Bin dann aber doch bei meinem Öko-Schwein und Öko-Rind geblieben. Ich hatte damals schon so eine Vorahnung, dass wir beide keine guten Freunde werden. Also rein essenstechnisch jetzt. Und sonst wohl auch nicht.

Aber in der Tat hatte ich auch immer relativ viel Bedauern für Sie. Nach 2015 lief da ja nicht mehr so viel mit den veganen Kram und Veganer haben sich ja auch schon irgendwie zu dem Zeitpunkt selbst verwirklicht. Vielleicht lag es auch an Ihrer veganen Imbissbude, die ja vom Tagesspiegel völlig zerrissen wurde. Was schrieb da noch die Susanne Kippenberger 2017 über Ihren Imbiss: „Während seine verschwitzten Mitarbeiter vors Nachbarhaus ziehen, um eine zu rauchen, setzt sich der muskelbepackte Chef an diesem Abend breitbeinig auf die Treppe vor seinem Laden. Vegane Männlichkeit muss wohl bewiesen werden. Zum Beispiel, indem man sich den Hamburger megascharf bestellt. Im Sommer brach ein Gast daraufhin zusammen.“ Nee, nicht nett. Man muss auch Imbisse mal würdigen können. Okay, liegt ja auch oft am Koch und der hatte ja in seinem Vorfeld viel in seinen Büchern versprochen. Ich weiß ja nicht, ist da was schiefgelaufen? Ich kann da nicht mitreden, kenne Ihren Imbiss nicht. Nun ja, aber selbst sie haben ja nach vorherigen Hausverbot für die gesamte Redaktion des Tagesspiegel eingelenkt. Komm Schwamm drauf. Dumm und vielleicht ja auch sehr wohl überlegt war dann, dass Sie im Vorfeld öffentlich noch ankündigten, dass Sie bei erneuter Kritik aber so völlig ausrasten wollen. Ja nun gut, verstehe, dass musste man nun ja medial noch mit einer Pumpgun unterstreichen. Falls Sie es nicht wussten, so etwas nennt man Wut-PR. Ja ehrlich, weiß gar nicht warum. So what. Egal.

Vom Stadtmagazin tip wurden Sie ja auch als „peinlichster Berliner“ 2017 ausgezeichnet. Wobei ich sagen muss, dass habe ich nie verstanden. Nur weil Sie Ihre verlorene Wette eingelöst haben. Mal ehrlich, dass hätte Ihnen doch nun klar sein müssen, wenn sie den Journalisten bei einem Testessen sagen, wenn es nicht schmeckt, dann essen Sie ein Steak. Und Sie hätten es ja auch gemacht, wenn die Journalisten das von Ihnen zur Verfügung gestellte (lebendige) Kalb auch geschlachtet hätten. Die wollten doch nicht. Ist an diesem Tag eigentlich der Begriff von der „Lügenpresse“ entstanden?

Und dann wurde es ruhig um Sie. Ich hatte mich manchmal schon gewundert. Bisschen Boulevard, aber seien wir mal ehrlich: Reicht ja irgendwie auch nicht. Kann ich ja verstehen. Dabei haben Sie sich ja so ein nettes Image angelegt. Da konnte man nur sagen, Mensch, Gott sei Dank kam dann Corona. Okay, ich weiß ja, warum wir nun die Pandemie haben, da geht ja irgendwie unsere Meinung auseinander. Sie sind nun fest davon überzeugt, dass Bill Gates und seine Mischpoke dran schuld ist. Vielleicht waren es ja nun auch doch die Chinesen oder noch besser, dann wird nämlich auch ein Schuh draus, Bill Gates und Frau haben ein chinesisches Geheimlabor mit übriggeblieben Windows 95-Lizenzen ausgestattet, was dann zum (geplanten) Supergau führte und Bums ging es los mit diesem blöden Virus. Das ging ja auch so schnell, dass ich ja meine, dass er sich nicht über die Globalisierung verbreitet hat, sondern vielmehr über die weltweite Vernetzung.

Wie es dann am Ende auch war ist ja egal. Wir werden nie die Wahrheit erfahren, da uns unsere Mutti Merkel nur belügt. Pfui. Und dann aber schnell vor den Reichstag und erst einmal die Massen mobilisieren. Gott sei Dank sind sie da nicht so wählerisch, ja eigentlich der wahre Vorzeigedemokrat, denn Sie haben es ja quasi im Handstreich geschafft eine Querfront für Links- und Rechtsextremisten zu vereinen. Noch ein wenig Volk dazu, darf auch ein wenig mehr sein, Hauptsache dumm und nachplappernd. Ein paar Journalisten dazu garniert, den Sie erst Ihre Weltanschauung erklären können, nein sorry, zumindest in Bezug auf den Spiegel haben Sie diese ja quasi rausgebrüllt. Und anschließend überlassen wir die Presse Ihrem Schicksal. Bisschen Klassenkeile hat ja noch niemanden geschadet. So wiegelt man auf. Das ist ein demokratisches Recht der Demokratie, die Sie und die Ihrigen ja anzweifeln. Macht es klick, irgendwie stimmt da jetzt etwas nicht. Na, Sie kommen bestimmt drauf.

Nun bin ich nur so ein kleiner Schreiberling, der ursprünglich aus dem Online-Marketing kommt. Daher nur mal so mein Verweis auf Ihre Wut-PR. Ist ja ne clevere Masche. Aber Sie haben sich weiterentwickelt. Nun sind wir bereits beim Guerilla-Marketing. Auch clever. Billig und effektiv. Aber vielleicht haben Sie nicht dabei bedacht, dass Sie dafür Menschen missbrauchen. Nämlich die Dummbatzen, die wie Sie an diese komischen Verschwörungstheorien glauben, die allesamt immer und immer wieder widerlegt werden. Okay, von der „Lügenpresse“ oder von Schreiberlingen wie mich. Ja, ich weiß, Sie werden es nun in Ihrer ganz eigenen Art und Logik widerlegen wollen. Ich freue mich darauf.

Aber mal ehrlich, ich glaube ja auch an eine Verschwörungstheorie. Psst, nicht weitersagen. Ist ganz kurz erklärt: Da fährt ein erfolgreicher veganer Koch mit seinen spritfressenden Boliden durch unsere schöne Natur. Seinen Zuschauern und Lesern erzählt er aber etwas von zurück zu sich und zur Natur. Darauf noch ein bisschen Super Plus. Läuft. Ja, ist so meine Verschwörungstheorie. Wurde sogar schon der Lügenpresse aufgenommen. Dumm nur, bereits vor Jahren. Wie nun, war das gar keine Verschwörungstheorie.

Und genauso versuchen Sie sich nun wieder in die Gesellschaft einzubringen, als Attila der Retter von Grundrechten und Demokratie. Hhm, da muss ich sagen, hat mir der Hunnenkönig schon mehr zugesagt, hatte er doch – wenn teilweise auch falsche – Ziele.

Und jetzt kommt diese ganz kleine Stelle, wo wir uns zurücklegen sollten und mal drüber nachdenken, ob da nun was falsch läuft. Jetzt mal ehrlich Herr Hildmann, auch Ihnen sollte doch auffallen, dass Sie entweder die Menschen veräppeln, dieses Land und seine Demokratie hassen oder Sie sich in die Riege derer einreihen, die den Politikern, die sich wirklich bemühen, mal abgesehen von der AfD, in die Fresse treten und damit auch den Millionen Menschen in diesem Land, die wissen, dass sie sich auf ihr Land verlassen können. Menschen wie Sie sind das Krebsgeschwür, an dem die Gesellschaft erkrankt ist. Nicht die Maßnahmen die während der Corona-Pandemie ergriffen wurden. Wir alle sind betroffen von der Pandemie, wir alle haben zu leiden und zurück zu stecken.

Am Ende bleibt nur noch zu sagen, frei nach dem ehrbaren Walter Lübcke, dass Sie gerne gehen dürfen, wenn Ihnen dieses Land nicht gefällt.

Grüße Ihr Frank Schurgast

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