5. April 2020

Colorful Germany

Für ein buntes Deutschland

Obermayer-Award für "Aus der eigenen Geschichte lernen" – Ein Fan-Projekt von Hertha BSC

Das Berliner Olympiastadion. Die spielerische Heimat der "alten Dame" Hertha BSC. / Foto: Screenshot Youtube

Berlin/Ganderkesee (fs) – Es gibt Themen, die immer wieder eine Auf- und Bearbeitung benötigen, die immer wieder auf der Tagesordnung stehen müssen. Antisemitismus ist so ein Thema – auch 75 Jahre nach der Befreiung der Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, welche sich am Montag (27.01.20) jährte. Im Rahmen des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust stand auch bei Hertha BSC die Erinnerung im Mittelpunkt.

Das Fanprojekt ‘Aus der eigenen Geschichte lernen’ erhielt im Rahmen des Gedenktages erneut eine Auszeichnung. Im Abgeordnetenhaus Berlin nahmen Vertreter der Arbeitsgruppe einen Obermayer-Award entgegen, der Menschen und Projekte für ihr herausragendes Engagement zur Bewahrung jüdischer Geschichte und zur Bekämpfung von Vorurteilen in der heutigen Zeit auszeichnet. Die Obermayer Awards wurden im Jahr 2000 von Dr. Arthur S. Obermayer, einem vielfältig engagierten amerikanischen Unternehmer, und seiner Frau, Dr. Judith H. Obermayer, ins Leben gerufen. Herthas Projekt erhielt nun eine ‘Jubiläums-Auszeichnung’.

Mit ihrem unermüdlichen Einsatz zeigen die diesjährigen Preisträger uns, was wir aus der Vergangenheit lernen können und welche Gefahr von Vorurteilen und Rassismus in der heutigen Zeit ausgeht.

Joel Obermayer

Den Preis entgegen nahmen Söhnke Vosgerau (Sportjugend Berlin) und Michael Müller (Teilnehmer des Projektes), die genauso wie Stefano Bazzano (Fanbetreuung, Leitung der Projektreihe), Juliane Röleke (wissenschaftliche Leitung des Projektes), Bernd Schiphorst (Hertha-Stiftung) und Präsident Werner Gegenbauer vor Ort waren. Extra eingeflogen aus Schweden kam der 95-jährige Hertha-Fan Walter Frankenstein, der den Holocaust überlebte.

In den vergangenen Jahren haben die Fans, die an den Projekten teilgenommen haben, zahlreiche Stunden in akribische historische Recherchen zur NS-Vergangenheit ihres Vereins und die Auseinandersetzung mit aktuellem Antisemitismus und dem gesellschaftlichen Rechtsruck investiert. Allen voran ihnen gebührt diese Auszeichnung, über die wir uns alle natürlich sehr freuen.

Juliane Röleke, Wissenschaftliche Leiterin des Projektes

Um am Projekt weiter zu arbeiten, bedarf es keinerlei Preise oder Auszeichnungen – es war uns allen eine Herzensangelegenheit. Aber dadurch werden mehr Menschen auf das Thema aufmerksam, was wieder extrem wichtig geworden ist. Trotz aller Aufklärungen und Aufarbeitungen muss man immer wieder für das Thema Menschen sensibilisieren.

Projektteilnehmerin Daniela Kindl

Neben den engagierten blau-weißen Anhängern wurden das Netzwerk für Demokratische Kultur und der Geschichtomat aus Hamburg in der Kategorie ausgezeichnet.

Frankenstein im Fanprojekt

Bereits am vergangenen Samstag (25.01.20) war Walter Frankenstein zu Gast bei seinem Herzensverein. Gemeinsam mit weiteren Herthanerinnen und Herthanern verfolgte er im Fanprojekt Berlin das Auswärtsspiel der ‘Alten Dame’ in Wolfsburg. Vor Ort kommentiert wurde die Partie von einem Blindenreporter, da Frankenstein nicht mehr so gut sehen kann. “Es wird immer seltener, Zeit mit Holocaust-Überlebenden zu verbringen. Die Verbindung zu Walter, der uns gern besucht, ist von unschätzbarem Wert – in welcher Form sich unsere Treffen auch gestalten”, so Stefano Bazzano von der Fanbetreuung. Während Frankenstein sonst oft zu offiziellen Zeitzeugengesprächen zu Gast in Berlin ist, freute er sich diesmal über die entspannte Zusammenkunft: “Es ist schön, einfach nur mal unter Herthanern Fußball zu gucken und sich ganz informell austauschen zu können.” Sabine Dollinger, die ebenfalls in Projektreihe mitforscht, ist nach wie vor von Frankensteins Geschichte und ihm als Menschen angetan: “Vor fast zwei Jahren, als ich Walter das erste Mal erlebte, notierte ich mir seine Worte: ‘Denkt nach!’, ‘Denkt selbst!’. Er sagte auch: ‘Lasst euch nicht verführen’ und ‘Lebt für die Demokratie!’ Heute, da jeden Tag weitere rechte Tendenzen zum Vorschein kommen, könnte das nicht wahrer sein.”

AfD

Antisemitismus

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Gegen Rechte und Nazis

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Migration

NPD

Rassismus

Rechtsextremismus

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