Presseschau 22. Oktober 2019

Aminata Touré : “Wir haben ein großes Rassismus-Problem in Deutschland”

Die Vizepräsidentin des Landtages in Schleswig-Holstein fordert nach dem Attentat in Halle von der Politik mehr Engagement im Kampf gegen Rassismus. “Wir haben ein großes Rassismus-Problem in Deutschland”, sagt Aminata Touré im RTL/n-tv-Frühstart. Gerade schwarze Menschen würden viel Rassismus in Deutschland erfahren. Es gebe viele Studien, die das belegten, so die 26-jährige Grünen-Politikerin weiter.

RTL – https://t1p.de/h9do


Kein „Rassismusbuch“: Autorinnengespräch mit Jackie Thomae

Jackie Thomae hatte auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse etwas zu sagen. Gut gelaunt ging die Autorin am 18. Oktober im Gespräch mit Spiegel-Redakteur Tobias Becker auf dessen Fragen zu ihrem Roman Brüder ein, der es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte. In Brüder verhandelt sie die Geschichte der Halbbrüder Mick und Gabriel, die den gleichen Vater haben, aber nicht voneinander wissen. Sie wachsen getrennt zu Zeiten der DDR in Berlin und Leipzig auf, ohne ihren aus dem Senegal stammenden Vater kennenzulernen. Thomae selbst wurde 1972 in Halle an der Saale geboren und wuchs ebenfalls in der DDR ohne ihren leiblichen Vater auf, der aus Guinea stammt und sie erst kontaktierte, als sie bereits über vierzig Jahre alt war. Bei Brüder handele es sich allerdings nicht um einen autobiografischen, sondern um einen fiktionalen Roman, betont die Autorin. Sie habe zwar überlegt, die Geschichte ihres Vaters in den Mittelpunkt zu stellen, entschied sich dann aber für das Brüderpaar, da sie mit Brüder einen Gesellschaftsroman über die zwischenmenschlichen Beziehungen um die Wendezeit kreieren wollte.

literaturkritik.de – https://t1p.de/0jm1


Warum wird nach Halle mehr Polizei gefordert und Demokratiearbeit gekürzt?

Anderhalb Wochen nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle bleiben grundlegende Reaktionen auf den Anschlag holzschnittartig: Staatliche Akteure fordern mehr Polizei und Überwachung, kürzen aber zugleich Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Stephan Anpalagan kommentiert: Wir hatten das alles schon einmal – und haben es immer noch.

Belltower News – https://t1p.de/ey0z



Der Rechtsextremismus in unserem Lande ist heute gefährlicher als je zuvor

Nach dem Terroranschlag eines bekennenden Antisemiten in Halle warne davor, nur in traditioneller Weise zu reagieren, wie das die Innenminister tun. Das ist zum Teil der übliche Aktionismus nach einer Tat. Das Bundesverfassungsgericht hat 2016 in seinem grundlegendem BKA-Urteil die Befugnisse der Sicherheitsbehörden zur Terrorbekämpfung mehrfach klar definiert und die Trennung der Befugnisse für notwendig gehalten. Auch wenn kleinere gesetzgeberische Korrekturen notwendig sein sollten: Flächendeckende Überwachung ist verfassungswidrig. Völlig zu kurz kommt in den Reaktionen, die Deradikalisierung als Schwerpunkt der Terrorismusbekämpfung zu begreifen.

Handelsblatt – https://t1p.de/lmew


AfD: Björn Höcke hält Rede – dann verschlägt es ihm die Sprache

Björn Höcke ist sichtlich verunsichert. Bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag in Nordhausen passierte etwas, das der Thüringer AfD-Landeschef so offenbar gar nicht erwartet hatte. Gerade sprach Björn Höcke vor dem Theater in Nordhausen über die „Wirrköpfe“ und meint damit alle, die nichts mit seiner Partei zu tun haben.

Der Westen – https://t1p.de/gw67



“Ich habe Angst vor Ihnen, Herr Höcke”

90 Minuten, 90 Bürger und die Kandidaten der sechs Parteien, die in einer Woche bei der Wahl in Thüringen die größten Chancen haben – es ist eine Bürgersprechstunde im Stile eines Speed-Datings. Die Antwort darf nicht länger als eine Minute dauern. “Ich habe mir meine Meinung in den vergangenen Tagen schon gebildet”, sagt eine 19-Jährige sichtlich um Diplomatie bemüht am Ende der MDR-Sendung auf die Frage nach dem Erkenntnisgewinn. Zuvor bezogen auch hauptsächlich Linke-Regierungschef Bodo Ramelow und CDU-Herausforderer Mike Mohring Stellung.

ntv – https://t1p.de/cwrw


Bischof Wilmer entsetzt über Antisemitismus in Niedersachsen

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat sich über das Ausmaß des Antisemitismus in Niedersachsen entsetzt gezeigt. «Ich denke, wir bewegen uns auf einer sehr dünnen Eisschicht, unter uns befinden sich Antisemitismus und Rassismus. Es braucht nicht viel, und wir brechen ein – und dann kommen diese Stimmungen in voller Wucht an die Oberfläche», sagte Wilmer dem Journal «Rundblick Niedersachsen» (Dienstag). «Es gibt einen Antisemitismus von weit rechts, auch einen von weit links. Aber es gibt diese Haltungen auch in der Mitte der Gesellschaft.»

Welt – https://t1p.de/3nfg



Eine Curry mit Gysi: Ist Özil ein Werkzeug Erdogans?

Schnell und scharf: Eine Curry mit Gysi. Der wöchentliche Interview-Imbiss mit den Chefredakteuren Elmar Jehn und Jochen Arntz und Politiker Gregor Gysi. Heute: Ist Özil ein Werkzeug Erdogans?

Berliner Kurier – https://t1p.de/e9ac


Antifeminismus und die bedrohte Männlichkeit der Rechten

Was mir nicht aus dem Kopf geht, ist das Attentat in Halle am Versöhnungsfest Jom Kippur und die ideologische Nähe dieser Tat zu den Attentaten in Christchurch, in Dayton, Ohio, in El Paso, Texas und, allen voran, zu der Attacke auf die Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh, Pennsylvania vor knapp einem Jahr.

Frankfurter Rundschau – https://t1p.de/fm7s



Nach AfD-Vorstoß: Aktion „Petzportal fluten“ – Hamburger Schüler schlagen zurück

Der Streit um das „Informationsportal Neutrale Schulen“ der AfD geht in die nächste Runde. Nachdem das Portal in Mecklenburg-Vorpommern verboten wurde und sich auch Hamburgs Schulsenator Thies Rabe (SPD) für ein Verbot des Portals aussprach, machen in Hamburg Schüler und linke Gruppen auf Instagram mobil gegen das Meldeportal. „Petzportalfluten“ heißt die Aktion, zu der aufgerufen wird.

MOPO Hamburger Morgenpost – https://t1p.de/up12


Geschäfte mit Flüchtlingen: AfDler trauern abgeschobenen Tschetschenen nach

„Wir brauchen keine Willkommenskultur, wir brauchen eine Abschiebekultur!“, rief der Orlataler AfD-Landtagsdirektkandidat Heiko Bergner letzten Freitag in den Pößnecker Bilke-Saal. Mehrere seiner Hörer nickten, als er mit diesem Björn-Höcke-Satz seine flüchtlingspolitische Position definierte. Was er seinem Publikum allerdings verschwieg, ist, dass er gemeinsam mit einem weiteren AfD-Funktionsträger mehr als drei Jahre lang gutes Geld mit Flüchtlingen verdient hat.

Ostthüringer Zeitung – https://t1p.de/pxie



Im Kopf der Verschwörer: Über Antisemitismus und das Finanzsystem

Das Gefühl, die Kontrolle über das Leben verloren zu haben, verstärkt den Glauben an Verschwörungen. AfD & Co verstärken das, indem sie eine größere Steuerung von Wirtschaft und Finanzfirmen torpedieren. Die Wirtschaftskolumne.

Frankfurter Rundschau – https://t1p.de/pbqt


Sieben Punkte gegen den Judenhass

Vor genau zwei Wochen erschoss der Rechtsextreme Stephan B. aus antisemitischen und rassistischen Motiven zwei Menschen, verletzte zwei weitere schwer. Zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur hatte der schwer bewaffnete Mann am 9. Oktober versucht, die Synagoge seiner Heimatstadt Halle zu stürmen, in der sich 51 Gläubige versammelt hatten. Als ihm das misslang, suchte er sich andere Ziele. Der Anschlag hat eine tiefe Wunde in die Stadt geschlagen und Entsetzen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ausgelöst.

Welt – https://t1p.de/kcmn



Neonazis propagieren die „Ruhralternative“

Ankündigungen von gemeinsamen „Wahlbündnissen“ sind immer auch ein Zeichen von Schwäche, von Selbstzweifeln: Die braune Splitterpartei „Die Rechte“ (DR) und die nordrhein-westfälische NPD haben in einer gemeinsamen Erklärung jetzt angekündigt, dass sie am 13. September nächsten Jahres bei der Wahl zum „Ruhrparlament“ gemeinsam antreten wollen. Das Ruhrparlament wird erstmals gewählt, zeitgleich mit der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen. Die Wähler erhalten einen zusätzlichen Stimmzettel, es wird aus 91 Mitgliedern bestehen. Notwendig für einen Sitz wäre demnach ein Wahlergebnis von gut einem Prozent. Dass die Rechtsextremisten dies erreichen, kann als ausgeschlossen gelten. Auch der Name ihres Wahlbündnisses spricht nicht für Optimismus: Statt auf ihre eigenen Parteinamen zu vertrauen fahren sie nun unter dem Namen „Nationales Bündnis Ruhrgebiet – Die Ruhralternative“. Die Erklärung wurde zeitgleich auf der Website der „Rechten“ Dortmund wie auf mehreren Facebook-Seiten der NPD veröffentlicht.

Blick nach Rechts – https://t1p.de/4on6


Ein Leben gegen den Rassismus – Zum Tod von Theodor Wonja Michael

Seine Familie ist seit über 100 Jahren mit Deutschland verbunden, dennoch hat sich Theodor Wonja Michael immer wieder wie ein Fremder im eigenen Land gefühlt. Der Vater kam aus Kamerun nach Deutschland, die Mutter war Deutsche. Er selbst wurde 1925 in Berlin geboren. Der afrodeutsche Autor und Schauspieler erlebte in seinem Leben viele Arten des Rassismus. Am 19. Oktober starb Theodor Wonja Michael in Köln.

Deutsche Welle – https://t1p.de/slsg