Rechtsextreme Geschichtsverfälscher und wie die AfD anknüpft

Die Luftangriffe nennen sie „Bombenterror“, die Opferzahlen geben sie falsch an: Rechtsextreme Geschichtsverfälscher haben anlässlich der alliierten Bombardierung von Dresden demonstriert. Auch die AfD knüpfte daran an.

Bis zum Sonnenuntergang sind Dutzende Skater auf der Dresdner Lingnerallee unterwegs. Auf der Skaterampe üben sie Tricks und Stunts, bis sie von Polizeifahrzeugen verdrängt werden. Zwei Polizisten in Kampfmontur schauen zu, wie sie heim in Richtung Dresdner Szeneviertel fahren. Der Skateplatz, der sonst den Jugendlichen gehört, ist am 15. Februar Versammlungsort für Neonazis aus ganz Europa. Sie protestieren gegen das, was sie „angloamerikanischen Bombenterror“ nennen.

Gemeint sind damit die Bombenangriffe der Alliierten am 13. und 14. Februar 1945. Jahrelang war die Veranstaltung mit bis zu 6.500 Teilnehmern der größte Naziaufmarsch Europas. An diesem Freitag waren es immer noch bis zu 1.000, wie die Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Die Neonazis selbst sprechen von 1.250 Teilnehmern.

Falsche Opferzahlen

Bei ihrem Marsch versuchten sie, einen perfiden Opferkult in die Welt zu tragen. Rechtsextreme Geschichtsklitterer behaupten, Dresden sei nicht in den Krieg involviert gewesen. Tatsächlich beherbergte die Stadt 1945 Tausende Soldaten, war militärischer Umschlagplatz und betrieb Rüstungsproduktion. Auch die Opferzahlen, mehrfach von Historikern untersucht (PDF), sind den Demonstranten nicht hoch genug. Statt offiziell bis zu 25.000 wollen die Neonazis fast das Zehnfache, 200.000, verbreiten. Revisionisten sprechen von „Bombenterror“ und „Bombenholocaust“, relativieren damit die Judenvernichtung. Ihre historischen Vorbilder sind dabei NS-Propagandaminister Joseph Goebbels und der britische Holocaustleugner David Irving. Beide hatten solche Begriffe mit Bezug auf Dresden schon früh in Umlauf gebracht.

Bild: Fraktion DIE LINKE. im BundestagAnti-Nazi-Demonstration in Dresden 2012-02-13 (08)CC BY 2.0

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