Rote Karte für Clemens Tönnies

Düsseldorf (ots/fs) – Clemens Tönnies ist als Aufsichtsrats-Vorsitzender von Bundesligist Schalke 04 vorrangig eine Person des öffentlichen Lebens. Er ist einer der bekanntesten Sport-Funktionäre in diesem Land. Als solcher trägt er auch Verantwortung für die Meinungsbildung in diesem.

Deswegen ist es nicht nur eine Lappalie, wenn Tönnies in seiner Funktion als Unternehmer beim “Tag des Handwerks” in Paderborn rassistische Bemerkungen macht. Tönnies hat dort mit dem Vorschlag irritiert, man solle in Afrika Kraftwerke finanzieren.

Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.

Clemens Tönnies auf dem “Tag des Handwerks”

Das ist kein kleiner verbaler Fehltritt, das ist Rassismus.

Die Entschuldigung, die auf der Internet-Seite des Bundesligisten veröffentlicht wurde, zeugt immerhin von Einsicht. Doch die Worte sind in der Welt und finden Gehör – bei Hunderttausenden Fußballfans.

Einem erfahrenen Redner wie Tönnies darf so etwas nicht passieren. Die Aussage von Tönnies ist pauschalisierend und zutiefst respektlos gegenüber allen Menschen, die in afrikanischen Ländern leben. Er bedient mit seiner Aussage Vorurteile.

Tönnies steht einem Ruhrgebiets-Verein vor, der für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft steht. Schalke setzt sich explizit gegen Rassismus ein. So steht es sogar in den Statuten. Schalke hatte und hat verschiedene Afrikaner unter Vertrag.

Tönnies Aussagen müssen nicht nur ein Schlag ins Gesicht vieler Betroffener, sondern auch für Fans und Spieler gewesen sein. Jemand, der eine solche Aussage tätigt, kann die Werte, für die der FC Schalke 04 steht, nicht mehr glaubhaft vertreten. Das war mehr als ein Foul, für das man sich später entschuldigt und einfach weitermacht wie zuvor.

Tönnies verdient die Rote Karte.

Die Entschuldigung

Liebe Schalker,

als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1.000 prozentig hinter unseren Vereinswerten. Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Vor diesem Hintergrund möchte ich mich explizit bei euch, den Fans, Mitgliedern und Freunden des FC Schalke 04, für meine Aussage beim Tag des Handwerks entschuldigen. Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid.

Clemens Tönnies

So nachzulesen auf der Schalke 04-Seite

So nicht Herr Tönnies

Diese Afrika-Aussage war also unüberlegt und gedankenlos. Nein, dass kann man so nicht stehen lassen, weil es einfach nicht glaubwürdig ist. Gerade jemand wie Clemens Tönnies, Unternehmer und Medienprofi durch uns durch, stellt sich nicht einfach vor die Menschen und babbelt drauf los. Er geht überlegt an solche Vorträge und Reden heran.

So wird es auch an diesem Tag bei Tönnies gewesen sein. Und das was er sagte, sagte er auch mit einer gewissen Überzeugung. Nein, das war kein Gebabbel und hat warscheinlich deswegen auch mit einer sofortigen Wirkung viele Menschen aufhorchen lassen.

Dieses war also bislang die Unbekannte im öffentlichen Bild von Tönnies. Die rassistische Seite eines Saubermannes. So jemand kann und darf nicht für den Sport einstehen. Tönnies kann ab sofort keine Vorbildfunktion haben und zu hoffen bleibt, dass er es selbst, aber vor allem auch Schalke 04, einsieht.

Frank Schurgast

Bild: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, 2018-08-17 1. FC Schweinfurt 05 vs. FC Schalke 04 (DFB-Pokal) by Sandro Halank–059CC BY-SA 3.0

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