Rund jeder zweite Deutsche hat kein Vertrauen zu anderen Menschen

Köln (ots) – Linke und Reiche haben mehr Vertrauen als Rechte und Arme.

In Deutschland ist das Misstrauen gegenüber anderen Menschen weit verbreitet. So geben 47 Prozent der Westdeutschen an, dass sie “den meisten Menschen nicht vertrauen”. In den neuen Ländern sind sogar mehr als die Hälfte der Befragten (52%) misstrauisch gegenüber ihren Mitbürgern. Am höchsten ist das Vertrauen zu den anderen Menschen in Baden-Württemberg (54%), am niedrigsten in Thüringen (36%).

Soziale Schichten

Auch zwischen den sozialen Schichten zeigen sich starke Unterschiede. Die unteren sozialen Schichten sind deutlich misstrauischer als die Angehörigen der oberen sozialen Schichten. Nur 32 Prozent der Arbeiter, 31 Prozent der Hauptschulabsolventen und 38 Prozent der Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro geben an, dass sie den Mitbürgern vertrauen. Menschen mit Abitur und höherem Einkommen (über 3000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) dagegen haben mehrheitlich Vertrauen (jeweils 57%).

Glaubensfrage

44 Prozent der Konfessionslosen, 50 Prozent der Katholiken und 54 Prozent der Protestanten vertrauen den Mitbürgern. Die meisten Menschen, die sich politisch links einordnen, vertrauen den anderen Menschen (58%). Menschen, die sich politisch rechts einordnen, sind eher misstrauisch: Nur 36 Prozent bringen anderen Menschen Vertrauen entgegen, 62 Prozent vertrauen den meisten nicht.

Unterschiede zwischen AfD und anderen Parteien im Bundestag

So zeigen sich auch zwischen den Anhängern der AfD und denen der übrigen im Bundestag vertretenen Parteien deutliche Unterschiede. Mehrheitlich Vertrauen zu den Menschen haben die Anhänger der FDP (52%), der SPD (53%), der CDU/CSU (56%) und vor allem der Grünen (61%). Nur 26 Prozent der AfD-Anhänger dagegen sind der Meinung, dass man den meisten Mitbürgern vertrauen kann. 70 Prozent der AfD-Gefolgschaft sind misstrauisch.

Verwunderung

“Glauben Sie, dass man den meisten Menschen vertrauen kann?” hat forsa über 3.200 Bürger gefragt. 1953 war dieselbe Frage im Rahmen einer breit angelegten Untersuchung der UNESCO über 3.200 Westdeutschen gestellt worden. Damals antworteten nur 13 Prozent der Befragten, dass sie Vertrauen haben. 83 Prozent der damaligen Bundesbürger waren hingegen misstrauisch.

Acht Jahre nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes, nach dem schwierigen Wiederaufbau und den widersprüchlichen Erfahrungen mit den Anfängen der Demokratie war das große Misstrauen der Menschen recht verständlich. Erstaunlich aber ist, dass fast sieben Jahrzehnte später so viele Bürger kein Vertrauen haben.

Forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL

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