“Scheiß Jude”

Wer in München lebt oder die weltoffene Stadt einmal besucht, der weiß die Vorzüge der Tram (Straßenbahn) zu schätzen. So auch der Münchener Levi. Doch diesmal ist vieles anders: Ein Unbekannter bedrängt den jüdischen Lehrer, fordert seine Jacke und beleidigt ihn dann. Die Tram ist gut gefüllt. Doch nur ein Fahrgast schreitet ein.

Vor rund drei Wochen: In München wird eine jüdische Familie Opfer eines antisemitischen Vorfalls. Sie wird bepöbelt und bespuckt. Und nun wurde ein neuer Fall bekannt aus München. Der des jüdischen Lehrers Levi.

Bekanntgabe des Vorfalls auf Twitter

Wie die Abendzeitung aus München berichtet, war es bereits am Dienstag vergangener Woche zu dem neuerlichen antisemitischen Übergriff gekommen. Öffentlich gemacht am Freitag vom Opfer selbst auf Twitter.

Aufgrund des nass-kalten Wetters an diesem Tag beschloss Levi die Tram zu nehmen. Als er einen Sitzplatz gefunden habe, setze er sich und zog seine Kapuze herunter. Unter ihr kam die Kippa zum Vorschein. Ein Mann, der ebenfalls zugestiegen war, sprach ihn, laut Levi, direkt an: “Ich wusste direkt, dass du ein Jude bist.” Laut Levi hatte der Mann es wohl auf seine “teure” Regenjacke abgesehen und wollte diese einmal anziehen dürfen. Levi hat dieses höflich abgelehnt. Da er sich verständlicher Weise bedroht fühle, begab er sich zu Tramtüre.

Fahrgäste schauten nur zu

Levi beschloss aber, sich nicht verdrängen lassen zu wollen und stieg doch nicht aus der Tram. Als der Mann mitbekam, dass er erst später aussteigen werde, habe er immer aggressiver nach der Regenjacke verlangt. “Ich will deine Jacke doch nur mal kurz haben, Jude. Du kannst dir doch eine Neue kaufen.” Laut Levi hat der antisemitische Angreifer ihn kurz darauf mit “scheiß Jude” beleidigt. Von den anderen Fahrgäste reagierte niemand. Man schaute nur. Als Levi lauter wurde, habe sich dann doch ein männlicher Fahrgast aus Kanada in englischer Sprache eingemischt und den Antisemiten kurzer Hand aus der Tram geworfen.

Auch in der nun wirklich weltoffenen Stadt München ist der Antisemitismus in letzter Zeit immer mehr in den Fokus gerückt. Antisemitische Übergriffe und Schmierereien werden immer häufiger gemeldet. Bei der Polizei in München wurden 2018 ganze 86 antisemitischen Taten gemeldet.

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, hatte kürzlich bereits gewarnt:

Sicherheit im öffentlichen Raum, die eigentlich für alle Bürger selbstverständlich sein sollte, rückt gerade für Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in immer weitere Ferne.

Frank Schurgast

Bild: Screenshot Twitter

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