Statt “Dieselmord im Ökowahn” geschlossene Türen für die AfD

“Dieselmord im Ökowahn” hieß die Veranstaltung der AfD Bundestagsfraktion, die in einem Berliner Hotel am Montag Nachmittag stattfinden sollte. Doch zwei Stunden vor beginn stand fest, dass es keine Veranstaltung der rechtsextremistischen AfD geben wird. Der Eigentümer des Hotels hat der AfD kurzerhand abgesagt, einen Rausschmiss verpasst.

Der Eigentümer des Hotels ist die Berliner Stadtmission. Der Verein der evangelischen Kirche kümmert sich in erster Linie in Berlin um Obdachlose und flüchtende Menschen.

Die Begründung der Berliner Stadtmission

Seit 1877 setzt sich die Berliner Stadtmission für Menschen am Rande der Gesellschaft ein, engagiert, parteiisch, empathisch – immer auch mit gesellschaftlichem Gegenwind. Es fehlt uns hier nicht an Klarheit. Deshalb möchten wir aus aktuellem Anlass erneut sagen:
Unser Blick auf Menschen und die Gebote der Nächstenliebe sind mit vielen Positionen der AfD nicht vereinbar. Wir geben der AfD daher bei uns keinen Raum, um für ihre Positionen zu werben – auch nicht in unseren Hotels oder Gästehäusern. Veranstaltungszusagen im Hotelbereich haben manchmal mit der ersten Anfrage wenig zu tun, manchmal waren wir leider auch nicht aufmerksam genug. Wenn uns erst kurzfristig klar wird, dass eine Veranstaltung nicht zu uns passt, sagen wir sie auch kurzfristig noch ab.
Zugleich gilt: Unsere Hotels stehen allen Gästen offen, unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Überzeugung. Niemandem, der bei uns einen Kaffee oder eine Übernachtung wünscht, enthalten wir das vor. Unsere Gäste wollen wir freundlich behandeln. Von Menschen, die unsere Werte verraten, wollen wir aber keine Silberlinge.
Die Berliner Stadtmission tut sich seit 142 Jahren nicht leicht mit diesen Fragen. In ihrem Leitbild heißt es: Wir versuchen, aus Gottes Perspektive Menschen zu sehen. Die sind seine geliebten Geschöpfe. Sich von Positionen zu distanzieren, ohne Menschen auszugrenzen, bleibt eine schwierige Aufgabe, über die wir als Werk im lebhaften Gespräch sind.

Joachim Lenz, Stadtmissionsdirektor

Verstimmte AfD

Er hätte schon früher abgesagt, habe selbst aber über Inhalte und den öffentlichen Charakter der Veranstaltung erst wenige Stunden vor dem geplanten Start erfahren, sagte er der “Berliner Morgenpost”. Und fügte selbstkritisch an: “Unsere Vorwarnsysteme haben versagt.”

Der Pressesprecher der AfD, Christian Lüth, war äußerst verstimmte, wie die gesamte Bundestagsfraktion der rechtsextremistischen AfD, und unterstellte der Stadtmission “Böswilligkeit. So berichtet es die Berliner Morgenpost. Joachim Lenz hat hier aber eine andere Sichtweise. Selbstkritisch sagt er der Berliner Morgenpost:

Unsere Vorwarnsysteme haben versagt.

Joachim Lenz gegenüber der Berliner Morgenpost

Er hätte so schon früher absagen können, hat aber erst wenige Stunden vor Veranstaltungsbeginn den öffentlichen Charakter überblickt.

Kleiner Wehmutstropfen an der Sache erscheint, dass wenn es keine öffentliche Veranstaltung gewesen wäre, wäre die rechtsextreme AfD wohl willkommen geheißen worden. Sehr schade, dass dieser Punkt nicht geklärt wurde.

Frank Schurgast

Bild: HolidayCheck

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