8. April 2020

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Für ein buntes Deutschland

Tipp: Oberschlesisches Landesmuseum eröffnet Sonderausstellung zum jüdischen Leben an der Oder

Ratingen/Ganderkesee (fs) – Die Landschaft an der Oder mit ihren wechselnden herrschaftlichen und nationalen Zugehörigkeiten war über Jahrhunderte hinweg ein Begegnungsraum. Hier kreuzten sich auch die deutsch-jüdische und die polnisch-jüdische Kultur. In der Neuzeit bedrohte der Nationalismus, gepaart mit dem Antisemitismus, diese kulturelle Vielfalt an Oder, Obra und Warthe. Der Nationalsozialismus zerstörte sie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weite Abschnitte der Oder zur deutsch-polnischen Grenze und die deutsche Bevölkerung aus den Regionen östlich des Flusses vertrieben. Polen fanden hier eine neue Heimat und für kurze Zeit schien es, dass in Niederschlesien und Pommern jüdisches Leben heimisch werden könnte. Mehrere Zehntausend polnisch-jüdische Holocaustüberlebende siedelten sich hier an, doch die meisten wanderten bis Ende der 1960er Jahre wieder aus. Die jahrhundertelange Anwesenheit von Juden an der Oder fiel dem Vergessen anheim, ihre Spuren wurden oft zerstört.

Die deutsch-polnische Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums Östliches Europa in Potsdam widmet sich Momenten der jüdischen Geschichte beiderseits der Oder. Sie will zum Nachdenken und zum Gespräch zwischen den ehemaligen und heutigen Bewohnern der Region anregen. Sie ist zugleich eine Einladung zur Neuentdeckung des deutsch-polnisch-jüdischen Kulturerbes dieser Landschaft.

Die Ausstellungsstation im Oberschlesischen Landesmuseum wird durch Ausstellungstafeln aus dem Haus Schlesien in Königswinter und eigene Informationen zur jüdischen Geschichte in Oberschlesien ergänzt. Begleitend zur Ausstellung wird ein Programm mit Kuratorenführung und Lesung geboten.

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 15.12.2019, 14 Uhr
Begrüßung: Sebastian Wladarz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Haus Oberschlesien
Vortrag der Kuratorin Dr. Magdalena Gebala mit anschließender Führung durch die Ausstellung.

Begleitend zur Ausstellung:
Sonntag, 02.02.2020, 15 Uhr
Auf den Spuren der Juden Oberschlesiens
Buchvorstellung mit Katarzyna und Jan Opielka

Sich auf die Spuren der Juden in Oberschlesien zu begeben, bedeutet Friedhöfe und leere Plätze einstiger Synagogen oder Gedenk- und Informationstafeln aufzusuchen, denn viele Stätten jüdischen Lebens existieren heute nicht mehr. Beata Pomykalska und Paweł Pomykalski haben sich der schwierigen Aufgabe verschrieben, die wichtigsten Orte des jüdischen Kulturerbes auf dem Gebiet des historischen Oberschlesien zu katalogisieren. Sie besuchten über 40 Dörfer und Städte, in denen Spuren jüdischer Präsenz erhalten geblieben sind. Als Ergebnis ihrer Arbeit ist ein Reiseführer mit mehr als 400 Seiten und knapp 180 Fotos und Abbildungen entstanden.

„Auf den Spuren der Juden in Oberschlesien“ ist die erste detaillierte Gesamtdarstellung, die den Stand des Erhalts des jüdischen Erbes in Oberschlesien darlegt – die Dokumentation verdient daher besondere Anerkennung, auch im Hinblick auf ihre Bedeutung, die in Vergessenheit geratenen Orte jüdischen Lebens und jüdischer Kultur als bedeutenden Teil des gemeinsamen Erbes erneut ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Projektkoordinatoren Katarzyna und Jan Opielka stellen diese bemerkenswerte Publikation vor.

Öffnungszeiten des Oberschlesischen Landesmuseums:
Dienstag – Sonntag, 11–17 Uhr
An folgenden Tagen ist das Museum geschlossen:
23.12.2019 – 1.1.2020 21.2.-25.2.2020

Bild: OSLM, Museum OSLMCC BY-SA 3.0

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