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Rassismus

TV-Tipp: Das Rassismus-Drama “Loving” nach einer wahren Begebenheit

Mainz/Ganderkesee (fs) – Mildred und Richard sind ein Ehepaar, lieben sich, gründen eine Familie. In ihrer Heimat Virginia dürfen sie nicht zusammenleben, Mischehen sind dort verboten. Die wahre Geschichte des Ehepaars Loving beginnt 1958. Ein weißer Mann und eine afroamerikanische Frau kämpfen für ihre Liebe und für Gerechtigkeit. Jeff Nichols machte daraus einen packenden Spielfilm mit Joel Edgerton und Ruth Negga in den Hauptrollen.

Richard (Joel Edgerton, 2.v.l.) und Mildred (Ruth Negga, r.) wurden von Sheriff Brooks (Marton Csokas, 2.v.r.) nachts aus dem Bett gerissen und ins Gefängnis gebracht. / Foto: © ZDF/Ben Rothstein / Focus Features

1958, US-Bundesstaat Virginia: Mildred (Ruth Negga) eröffnet ihrem langjährigen Partner Richard (Joel Edgerton), dass sie ein Kind erwartet. Er freut sich, und sie heiraten in Washington, D.C. Denn Virginia ist einer der 24 US-Bundesstaaten, in denen gemischtrassige Ehen verboten sind. Ihre Ehe ist in Virginia nicht rechtsgültig, sie verstoßen allein mit ihrer Anwesenheit permanent gegen das Gesetz.

Raymond (Alano Miller, l.), Garnet (Terri Abney, 2.v. l.), Mildred (Ruth Negga, M.) und Richard (Joel Edgerton, r.) schauen sich ein Autorennen an. / Foto: © ZDF/Ben Rothstein / Focus Features

Mitten in der Nacht steht Sheriff Brooks (Marton Csokas) mit seinen Leuten in ihrem Schlafzimmer. Die Lovings werden verhaftet, landen im Knast. Richard kommt nach einer Nacht wieder frei, Mildred wird erst nach mehreren Tagen entlassen. Ein lokales Gericht verurteilt das Paar zu einer Haftstrafe, die nur ausgesetzt werden kann, wenn sie Virginia verlassen und in den nächsten 25 Jahren nicht zurückkehren.

Richard (Joel Edggerton) zeigt Mildred (Ruth Negga) ein Stück Land, auf dem er ein Haus für sie und die Familie bauen will. / Foto: © ZDF/Ben Rothstein / Focus Features

Richard und Mildred fügen sich dem harschen Urteil, ziehen nach Washington, D.C. Ihre Familie wird größer, das Ehepaar hat schließlich drei Kinder. Doch der ärmliche Stadtteil der Hauptstadt, in dem sie leben müssen, wird nie ein echtes Zuhause. Richard muss wegen der Arbeit zwischen Virginia und Washington, D.C. pendeln, Mildred vermisst ihre Familie.

Richard (Joel Edgerton) hat ein Haus für seine Frau Mildred (Ruth Negga) gebaut, in dem sie fast ihr ganzes Leben verbringen wird. / Foto: © ZDF/Ben Rothstein / Focus Features

Als eines der Kinder bei einem Unfall verletzt wird, kehren die Lovings ins ländliche Virginia zurück – bevor die 25 Jahre vorbei sind und die Strafe aufgehoben ist. Dort leben sie in Angst vor Entdeckung und weiteren Repressionen. In ihrer verzweifelten Situation schreibt Mildred einen Brief an den Generalbundesanwalt der USA, Robert F. Kennedy, der das Schreiben an die Bürgerrechtsbewegung weiterleitet, die “American Civil Liberties Union”.

Der auf Bürgerrechte spezialisierte Phil Hirschkop (Jon Bass) ist einer der beiden jungen Anwälte, die den Fall Loving neu aufrollen und bis vor den Obersten Gerichtshof der USA tragen. / Foto: © ZDF/Travis Topa for Focus Features

Zwei junge, ambitionierte Anwälte, Bernie Cohen (Nick Kroll) und Phil Hirschkop (Jon Bass), nehmen sich des Falles an und bringen ihn vor den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Im Fall “Loving gegen Virginia” fällt der Supreme Court am 12. Juni 1967 das Urteil, dass es ein Grundrecht ist, zu lieben und zu heiraten, wen man will (was damals noch nicht für gleichgeschlechtliche Ehen galt).

Nachdem ein Stein in sein Auto geworfen wurde, fährt Richard (Joel Edgerton) in Angst um seine Familie aufgeregt nach Hause. / Foto: © ZDF/Travis Topa for Focus Features

Die Lovings sind bei der Urteilsverkündung vor dem Supreme Court nicht anwesend. Einer der Anwälte fragte Richard daher kurz vorher, ob er dem Gericht etwas ausrichten solle. Richard antwortete: “Sagen Sie dem Richter, ich liebe meine Frau.”

Sheriff Brooks (Marton Csokas) setzt die Gesetze Virginias durch und macht dem Ehepaar Loving das Leben schwer. / Foto: © ZDF/Travis Topa for Focus Features

Die Lovings haben Geschichte geschrieben. Erst der Tod hat sie geschieden: 1975 verunglückte Richard Loving tödlich, Mildred starb am 2. Mai 2008. Im selben Jahr, am 4. November 2008, wurde Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt. Als 44. Präsident der USA zieht der erste Afroamerikaner ins Weiße Haus ein.

Mildreds Eltern Theoliver (Christopher Mann) und Musiel (Winter Lee Holland) verabschieden ihre Tochter, die mit ihrem Mann Virginia verlässt. / Foto: © ZDF/Travis Topa for Focus Features

“‘Loving’ ist ein Glücksfall des US-Gegenwartskinos, weil er gleich mehrere Grenzen überwindet. Formal verknüpft Nichols die geduldige Erzählweise des Independent-Films mit klassischen Genre-Elementen. Ein Kamerablick auf Lackschuhe genügt, um zu demonstrieren, dass die Anwälte aus einer anderen Welt als die Lovings stammen. Dass diese beiden Welten aber nicht gegeneinander ausgespielt werden, offenbart eine differenzierte Perspektive, die für Nichols wie den Film charakteristisch ist. Zwar legt der Film den institutionalisierten Rassismus der 1950er-, 1960er-Jahre offen, aber ‘Loving’ ist kein Film, der Wunden aufreißt, es ist einer, der Brücken schlägt.” (“Filmdienst” 12/2017 vom 8.6.2017)

Während der Feldarbeit erfährt Garnet (Terri Abney), dass ihre schwangere Schwester Mildred einen Heiratsantrag erhalten hat. / Foto: © ZDF/Travis Topa for Focus Features

Christoph Petersen schrieb auf FILMSTARTS: “Jeff Nichols verzichtet konsequent auf die üblichen Stilmittel des Bürgerrechtskinos und schafft gerade deshalb ein besonders nachhaltiges und berührendes, zutiefst menschliches Werk.”

Richard Loving (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) 1958 in Virginia. Die Gesetze des Landes machen es dem Paar unmöglich, legal zusammen zu leben. / Foto: © ZDF/Ben Rothstein / Focus Features

Michael Shannon, der in mehreren Filmen von Jeff Nichols mitgespielt hat, verkörpert in einer wichtigen Nebenrolle den Fotografen Grey Villet, der für die Zeitschrift “Life” das wohl berühmteste Foto der Lovings machte (das auch im Film zu sehen ist): “Richard und Mildred sind darauf auf dem Sofa vor dem Fernseher zu sehen; Richard hat die Füße hochgelegt und den Kopf bei Mildred in den Schoß gelegt. Der Feierabend eines ganz normalen amerikanischen Ehepaars.” (SZ vom 14./15. Juni 2017)

Sendetermin

ZDF, Dienstag,4. August 2020, 23:35 Uhr

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