3. April 2020

Colorful Germany

Für ein buntes Deutschland

TV-Tipp: Kulturdoku von Felix von Boehm und Constantin Lieb über den Umgang mit in der NS-Zeit enteigneter Kunst

Sie war eine leidenschaftliche Pilotin und Kunstsammlerin - Agathe Saulmann kurz vor ihrer Flucht aus Nazideutschland. Nutzung des Bildes nur in Verbindung mit der Sendung inkl. Social Media / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6348 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/3sat/ZDF/Lupa-Film/Felix von Boehm"

Mainz/Ganderkesee (ots/fs) – Geraubt, zerlegt und verkauft: Jüdische Kunstsammlungen – oft über Generationen zusammengetragen – wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland systematisch enteignet.

Anhand ausgewählter Fälle zeigt die Dokumentation “Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus” von Felix von Boehm und Constantin Lieb, wie der Kunstmarkt nach 1933 von der Zwangslage vieler jüdischer Sammler profitierte und vor welchen Schwierigkeiten die Provenienzforschung bei der Suche nach verlorenen Objekten bis heute steht. Zu sehen ist die Doku in 3sat am Samstag, 14. Dezember 2019, 19.20 Uhr, in Erstausstrahlung.

“Geraubte Kunst. Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus” erzählt unter anderem das Schicksal der Sammlung von Ernst und Agathe Saulmann (Titelbild: Agathe Saulmann kurz vor ihrer Flucht aus Nazideutschland), die die jüdischen Textilunternehmer in ihrem Privathaus, dem Erlenhof bei Reutlingen, einst zusammengetragen hatten.

Nach ihrer Flucht ins Exil beauftragten sie ihren langjährigen Kunsthändler Julius Böhler mit dem Verkauf der Sammlung. Doch während Böhler von diesem – und anderen Verkäufen jüdischer Sammlungen – profitierte, gingen seine Einlieferer leer aus. Sie wurden im französischen Lager Gurs interniert. Bis heute konnten nur wenige Objekte der Sammlung Saulmann restituiert werden.

Neben zahlreichen renommierten Provenienzforschern kommt in der Dokumentation auch der Saulmann-Erbe Felix de Marez Oyens zu Wort – ebenso wie der Enkel Julius Böhlers, Florian Eitle-Böhler. Er leitet die Kunsthandlung seines Großvaters bis heute und hat kürzlich das Firmenarchiv zur Erforschung an das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte übergeben.

Ob sich durch die Digitalisierung dieser wertvollen Quelle weitere Hinweise zum Verbleib verschollener Werke finden lassen, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass sich durch die weltweite Vernetzung von Archiven für Provenienzforscher ganz neue Möglichkeiten ergeben.

Bild: obs/3sat/ZDF/Lupa-Film/Felix von Boehm

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