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Antisemitismus

TV-Tipp zum Thema Antisemitismus: “Das Unwort” und Dokumentation

Der Schüler Max (Samuel Benito) wird von seinen Mitschülern an einem Berliner Gymnasium wegen seines jüdischen Glaubens drangsaliert. Nachdem Max einem Mitschüler das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen die Nase gebrochen hat, droht ihm der Schulverweis. Auf einer Schulkonferenz, auf der der Konflikt geschlichtet werden soll, kommt es stattdessen zwischen den überforderten Eltern, der Klassenlehrerin, dem Direktor und der Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde vollends zum Eklat. Dramatisch zugespitzt, aber auch mit einer Prise Humor erzählt der Film eine fiktive Geschichte, die sich an realen Vorfällen orientiert.

Mainz/Bremen (fs) – Das ZDF-Fernsehspiel hat eine lange und erfolgreiche Tradition darin, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und an ein möglichst großes Publikum heranzutragen. Und es ist eine vorrangige Aufgabe des ZDF als öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt, den wieder erstarkenden Antisemitismus in seinem fiktionalen Programm aufzugreifen.

Das Thema “Anne Frank” löst einen Streit zwischen Karim (Oskar Redfern, r.) und Max (Samuel Benito, l.) aus. / Foto: ZDF und Conny Klein

Unser Film “Das Unwort” thematisiert eine aktuelle Form des Antisemitismus. Er tut dies in einer sowohl bitterernsten als auch komödiantischen Form, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen und zu bewegen. Die Erinnerung an den Holocaust ist wichtig, der Blick auf die heutige Situation des Judentums in unserem Land ebenfalls. Dem trägt das ZDF mit der Ausstrahlung dieses Films über jüdische Gegenwart am Montag, 9. November 2020, Rechnung.

Wir danken dem Autor und Regisseur Leo Khasin, der Produzentin Sarah Kirkegaard und dem Produzenten Oliver Berben sowie den Schauspielerinnen und Schauspielern, die mit Iris Berben an der Spitze und vielen begabten jungen Talenten den Film publikumsattraktiv tragen.

Es ist einer der letzten von ihm betreuten Filme unseres langjährigen Redaktionsleiters und Redakteurs Günther van Endert. Dieser Film liegt ihm besonders am Herzen. Danke, Günther!

Frank Zervos, Hauptredaktionsleiter Fernsehfilm/Serie I
Annika (Anna Brüggemann) sieht, wie Karim (Oskar Redfern, r.) Max (Samuel Benito, l.) auf dem Schulhof die Kette vom Hals reißt, greift aber nicht ein. / Foto: ZDF und Conny Klein

Ein Moment jüdischer Gegenwart

Der Antisemitismus in Deutschland erstarkt, trotz des Holocaust und aller Anstrengungen von Staat und Gesellschaft, ihm entgegen zu wirken. Judenfeindliche Stereotype werden heute in Teilen der Gesellschaft freimütig geäußert. Es gibt sie in vielen Milieus und in unterschiedlicher Ausprägung. Sie verbergen sich hinter falscher Kritik an Israel oder sind aktuell etwa bei der Denunziation von angeblichen Drahtziehern der Coronapolitik gemeint.

Besonders beunruhigend sind judenfeindliche Haltungen von jungen Deutschen, der Generation der Zukunft, darunter auch von solchen mit muslimischer Herkunft. Nicht nur in Berlin sind einige Fälle aktuell in die Öffentlichkeit gelangt. “Das Unwort” ist von diesen Fällen inspiriert.

Annika (Anna Brüggemann) beobachtet, wie Karim Max die Kette vom Hals reisst, greift aber nicht ein. / Foto: ZDF und Conny Klein

Der Film bindet die Erwachsenen mit den Jugendlichen zusammen. Er lässt damit offen, inwieweit die Schülerinnen und Schüler beeinflusst sind oder sich ein eigenes Urteil gebildet haben. Ein jüdischer Junge an einem Berliner Gymnasium wurde gemobbt und hat sich gewehrt. Der Kampf ging über einen gewöhnlichen Streit unter Heranwachsenden weit hinaus. Und so steht im Mittelpunkt des Films eine Schulkonferenz. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer werden dieses Zusammenkommen aus eigener Erfahrung kennen. Standpunkte prallen aufeinander. Aus der gemeinsamen Absicht, ein Problem zu lösen, wird eine Verhärtung, aus Frieden Krieg – und für das Publikum aus Ernst subtiler Humor. Schon die Absurdität des Streites über einen Konflikt, der zunächst einfach verleugnet wird, sorgt für viel Komik.

Der Film erzählt von einem Moment der jüdischen Gegenwart in unserem Land. Er verdeutlicht Antisemitismus und den Umgang damit in aller Schärfe, ist dabei aber überhaupt nicht spröde, sondern sehr unterhaltsam. Und er zeigt einen Weg der Versöhnung: Man muss nichts Gutes voneinander halten, aber sich zumindest so weit respektieren, dass ein Zusammenleben möglich ist.

Latif (Neil Malik Abdullah, l.) und Simon (Thomas Sarbacher, r.) sitzen auf der Wartebank. / Foto: ZDF und Conny Klein

Das Unwort

Dem fünfzehnjährigen Max Berlinger droht der Schulverweis. Er hat seinem Mitschüler Karim das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen, Reza, die Nase gebrochen. Die Klassenlehrerin, der Direktor, die Eltern sowie die Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde treffen sich in der Schule zum Krisengespräch. Und weil der Vertrauenslehrer angeblich keine Zeit hat, ist auch der Hausmeister dabei. Dann stellt sich heraus, was hinter dem Vorfall steckt: Nachdem Max im Unterricht von seinem jüdischen Glauben erzählt hatte, wurde er von Karim, Reza und anderen Mitschülern über lange Zeit immer wieder verbal und physisch attackiert.

Latif (Neil Malik Abdullah) und Simon (Thomas Sarbacher) sitzen auf der Wartebank, Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben, l.) tritt aus ihrem Büro. / Foto: ZDF und Conny Klein

Die Klassenlehrerin und der Schuldirektor haben den Konflikt übersehen wollen, haben halbherzig gehandelt und spielen ihn in der Konferenz zunächst herunter. Doch jetzt hat Max sich gewehrt. Wer trägt für das, was geschehen ist, die Verantwortung? Und welche Konsequenzen soll es geben? Der Versuch der Erwachsenen, den Konflikt zu lösen, gerät zu einem sich steigernden verbalen Schlagabtausch zwischen Eltern und Eltern, zwischen Eltern und Schulvertretern, zwischen Juden und Muslimen. Nur scheinbar weltoffen und fortschrittlich ist die Schulkultur zwischen starren Regeln und dem gesunden Menschenverstand.

Ein harter Abend für die Beteiligten, unterbrochen von Bildern der Kämpfe in der Schulklasse. Alle denkbaren Stereotype kommen auf den Tisch. Doch den Zuschauern bietet dieses Gerangel, das sie in vielleicht ähnlicher Weise aus anderen Zusammenhängen kennen, auch viel Humor. Und zum Schluss leuchtet eine zarte Flamme der Hoffnung.

Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben, l.) entgleist nach Majans (Neda Rahmanian) Rede und beendet abrupt die Sitzung. Direktor Stege (Devid Striesow, r.) möchte kein Aufsehen erregen und versucht die Beteiligten zu beschwichtigen. / Foto: ZDF und Conny Klein

Die Darsteller

Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann_____Iris Berben
Valerie Berlinger_____Ursina Lardi
Simon Berlinger_____Thomas Sarbacher
Annika Ritter_____Anna Brüggemann
Schuldirektor Stege_____Devid Striesow
Majan Marschner Merizade_____Neda Rahmanian
Hausmeister Eichmann_____Florian Martens
Max Berlinger_____Samuel Benito
Karim Ansari_____Oskar Redfern
Reza Marschner_____Victor Kadam
Latif Ansari_____Neil Malik Abdullah
Karl Lange_____Noah Adler
Leyla Ansari_____Nour Almahmoud
Obdachloser_____Gode Benedix
Felix Mandelbaum_____Levi Busch
und andere

Majan (Neda Rahmanian) nimmt ihren Sohn in Schutz. Sie sorgt sich um dessen Sicherheit. / Foto: ZDF und Conny Klein

Das Produktionsteam

Buch und Regie_____Leo Khasin
Kamera_____Michael Wiesweg
Schnitt_____Uli Schön, Katharina Schmidt
Ton_____Michael Junge
Musik_____Verena Marisa
Szenenbild_____Olaf Rehahn
Kostüme_____Katja Pothmann
Maske_____Andrea Gotowtschikow, Ines Ransch
Produktionsleitung_____Stefan Hiller
Herstellungsleitung_____Lutz Weidlich
Produktion_____Moovie GmbH
Produzentin/Produzent_____Sarah Kirkegaard, Oliver Berben
Redaktion_____Günther van Endert, Petra Tilger

Simon (Thomas Sarbacher, l.) und Latif (Neil Malik Abdullah, r.) bitten Frau Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben, M.) darum, das Verfahren gegen alle Jungs einzustellen. / Foto: ZDF und Conny Klein

Sendetermin

  • Montag, 9. November 2020, 20.15 Uhr, ZDF

“Einen kleinen Schritt in Richtung Happy End”

Von der Produzentin Sarah Kirkegaard

Als Günther van Endert mir 2018 vorschlug, einen Film zum Thema Antisemitismus an Schulen zu machen, war ich nicht nur begeistert. Ich war auch ein bisschen beklommen. Wie lässt sich eine solche Problematik in ihrer ganzen Brisanz und mit der erheblichen Polemik, die sie auslöst, in einer individuellen, fiktiven Geschichte fassen? Geht das überhaupt ohne Holzhammer und Sündenböcke, ohne moralischen Zeigefinger und Betroffenheitsduktus?

Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben) entgleist nach Majans (Neda Rahmanian) Rede und beendet abrupt die Sitzung. Direktor Stege (Devid Striesow, l.) möchte kein Aufsehen erregen und versucht die Beteiligten zu beschwichtigen. / Foto: ZDF und Conny Klein

Dass es antisemitische Übergriffe an deutschen Schulen gibt, und zwar in zunehmender Anzahl und Härte, das war gerade zu der Zeit, als die Idee zu diesem Film entstand, unübersehbar. Aus der Presse erfuhren wir gefühlt täglich von neuen Fällen. Reale Vorlagen für unseren Film, aber auch Mahnung an die Dringlichkeit des Themas und der Herausforderung, Haltung zu zeigen.

Ich wusste, wir können diesem Thema gar nicht ernsthaft gerecht werden. Und egal was wir erzählen – die Fettnäpfe, die Schubladen, die Vorurteile und auch die Hilflosigkeit, die im Umgang mit Antisemitismus (und anderen Formen von rassistischer Diskriminierung) im Alltag entstehen, werden wir nicht ausklammern können. Warum also nicht das Unbehagen und Unvermögen selbst zum Thema machen – in einer Komödie, bei der jede Seite ihr Fett weg kriegt und bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt?

Für Valerie (Ursina Lardi, M.), Simon (Thomas Sarbacher, l.) und Majan (Neda Rahmanian, r.) steht das Wohl der eigenen Kinder an erster Stelle. / Foto: ZDF und Conny Klein

Bei der Idee sind einige erst einmal zusammengezuckt. Aber nicht Leo Khasin. Er hat sich mit Herzblut und Humor darauf eingelassen und mit “Das Unwort” einen ungeheuer präzisen, pointierten Film geschaffen, der unterhält und berührt, der wehtut, wütend macht. Und zuletzt einen kleinen Schritt in Richtung Happy End wagt. Die kongeniale Zusammenarbeit mit Leo Khasin als Autor und Regisseur, mit Günther van Endert als Redakteur und mit dem fantastischen Ensemble rund um Iris Berben haben diesen sehr ungewöhnlichen Fernsehfilm erst möglich gemacht und ich bin sehr, sehr stolz und dankbar dafür.

Über einen neuen Weg

Vom Autor und Regisseur Leo Khasin

Annika (Anna Brüggemann) richtet ein kleines Büffet her, steckt Flaggen dazu. / Foto: ZDF und Conny Klein

Antisemitismus und Komödie – geht das überhaupt? Diese Frage stellte sich mir, als mich Sarah Kirkegaard gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte einen Film über antisemitisches Mobbing an Schulen zu machen. Ein heikles Thema, bei dem man sich schnell die Finger verbrennt. Aber ich wollte etwas machen, weil der Hass gegen Juden in Deutschland wächst und wieder salonfähig wird. Gleichzeitig war mir klar: Ich muss einen neuen Weg gehen. Ich muss das Publikum locken und es wachrütteln. Kein Sozialdrama, kein Betroffenheitsfilm. Davon gibt es im deutschen Fernsehen genug. Also wagte ich den Drahtseilakt und verpackte eine tragische Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, in eine Komödie. Denn so absurd, wie mein Genre zu diesem Thema, so absurd ist auch die Realität. Jüdische Jugendliche werden in einer emanzipierten Gesellschaft wegen ihrer Herkunft immer noch gequält? Halt, hier stimmt etwas nicht. Ich dachte, wenn mir der Coup gelingt, werde ich dem Publikum einen Spiegel vorhalten. Denn aus meiner Sicht ist das Problem nicht einfach nur Täter gegen Opfer, sondern die Mehrheit der Gesellschaft, die einfach nur den Mund hält. Daher auch der Titel, der eine Anspielung auf das “Unwort des Jahres” ist. Jude ist nicht nur ein Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen, es ist generell mit Unbehagen verbunden. Mag sein, dass das historisch bedingt ist. Aber wir müssen versuchen diesen Graben zu überwinden. Mein Ziel ist es, mit der Komödie die Beklemmung zu lösen und die Gelegenheit eines unverkrampften Umgangs mit jüdischen Themen zu bieten.

Dr. Nüssen-Winkelmann (Iris Berben) schreitet den Flur der Schule entlang. / Foto: ZDF und Conny Klein

Fragen an die Schauspielerinnen und Schauspieler

Der Film beginnt komödiantisch und wird zunehmend dramatischer. Was war für Sie als Schauspielerin/Schauspieler die spezielle Herausforderung bei diesem Projekt?

Iris Berben (Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann): Der Film setzt mit dem komödiantischen Anfang eine Stimmung, mündet aber in ein sehr ernst zu nehmendes Thema. Es bedarf hier einer besonderen Sorgfalt, eine Figur in ihrer Komik ernst zu nehmen. Im Leben gibt es ja die merkwürdigsten humoristischen Situationen, die aber keinesfalls die Tiefe eines Problems entschärfen. Diesen Grad muss der Schauspieler finden. Dabei hat uns der Regisseur sehr geholfen, aber auch das sehr gute Drehbuch.

Anna Brüggemann (Annika Ritter): Ich war die ganze Zeit hochkonzentriert, denn ich musste die Figur immer zugleich ernst und nicht ernst nehmen, weil sowohl die Tragik als auch die Komik der Figur immer präsent sein mussten. Jedes Wort, jede Bewegung, jeder Tonfall musste also exakt sitzen. Aber dieses genaue Modulieren hat mir sehr viel Spaß gemacht, vor allem, weil Leo Khasin uns da mit feinem Gehör und Humor durchgeführt hat.

Ursina Lardi (Valerie Berlinger): Es ist ein Ensemble-Film. An den meisten Szenen sind sechs oder mehr Personen beteiligt. Das fordert von allen Darstellerinnen und Darstellern eine unglaublich hohe Konzentration und kollegialen Einsatz. Bei Gluthitze im August tagelang in einem abgedunkelten Raum drehen, das war wirklich nicht einfach. Das Changieren zwischen Komik und Dramatik ergab sich da fast von selbst. Alle haben an einem Strang gezogen, es ging immer um die Sache – eine sehr tolle Erfahrung.

Valerie (Ursina Lardi, l.) und Simon (Thomas Sarbacher, r.). / Foto: ZDF und Conny Klein

Thomas Sarbacher (Simon Berlinger): Die Vorbereitung, die Familiengeschichte von Simon so zu erarbeiten, insbesondere die Geschichte der Eltern zur Zeit des Nationalsozialismus, dass seine Haltung nachvollziehbar wird. Seine Mutter hat Auschwitz überlebt, trotzdem sind seine Eltern in Deutschland geblieben und auch er selbst lebt wieder in Deutschland. 

Devid Striesow (Schuldirektor Stege): Leo Khasin, unser Regisseur und Autor, arbeitet wahnsinnig genau. Das ist gleichzeitig die Herausforderung in Sachen Texttreue, aber macht eben gerade einen solchen Spaß, wenn es funktioniert und der Take gut klappt im Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen. Das Musizieren mit diesem großartigen Ensemble hatte seinen speziellen Reiz.

Florian Martens (Hausmeister Eichmann): Der Film ist feinsinnig, mit leichter Hand erzählt und vom Anfang bis zum Ende eine sehr gelungene Komödie. Im Sommer drehe ich wegen meiner Kinder eigentlich nicht, aber nachdem ich erfahren habe, welche exzellenten Kolleginnen und Kollegen mitspielen, habe ich zugesagt. Und so ein gutes Drehbuch hatte ich seit Jahren nicht mehr in den Händen.

Eichmann (Florian Martens) löst den Feueralarm aus, um eine Prügelei zu unterbrechen. / Foto: ZDF und Conny Klein

Neda Rahmanian (Majan Marschner Merizade): Gleich mit meinem ersten Auftritt hundertprozentig da zu sein! Majan ist wie eine Rakete, die erst gezündet wird und dann abfliegt.

Neil Malik Abdullah (Latif Ansari): Zu wissen, dass wir mit Humor ein dramatisches Thema erzählen wollen, ist die Herausforderung. Es werden Worte gesagt, es werden Emotionen gezeigt, die echt sind für den Moment und die wir als Personen im realen Leben nicht haben, nicht meinen und kritisieren. Und am Ende soll gelacht werden.

Annika (Anna Brüggemann), Valerie (Ursina Lardi), Majan (Neda Rahmanian, r.) und Simon (Thomas Sarbacher, l.) gehen im Schulflur aufeinander los. Eichmann (Florian Martens) unterbricht mit dem Feueralarm. / Foto: ZDF und Conny Klein

Auf eine mitunter komödiantische und satirische Art kombiniert der Film die Themen Antisemitismus und Mobbing. Wie gefällt Ihnen dieser Ansatz?

Iris Berben: Ich glaube, dass wir schon seit längerer Zeit dazu aufgerufen sind, neue Wege zu gehen, um jüdische Identität und Geschichte zu vermitteln. Für viele Menschen ist die Shoa der einzige Berührungspunkt. Wir wissen um die Probleme von Antisemitismus und Mobbing. Dass der Film den Weg gegangen ist, die traurige Realität in eine satirische und komödiantische Situation zu übertragen, finde ich fantastisch. Es ist eine gute Möglichkeit, sich heute in Deutschland mit der Thematik auseinander zu setzen.

Anna Brüggemann: Eine gute Satire zu schreiben ist für mich die hohe Kunst. Dinge nur von ihren ernsten Aspekten her zu beleuchten ist fast einfacher und wird viel öfter gemacht, als einer Situation gleichzeitig das Groteske, das ja auch immer da ist, abzugewinnen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich das Drehbuch das erste Mal gelesen habe, weil derart elegant die verschiedenen Aspekte des Konflikts beleuchtet sind und gleichzeitig alle Erwachsenen auf die ein oder andere Art durch den Kakao gezogen werden. Ich habe damals die antisemitischen Vorfälle an Berliner Oberschulen mit Schrecken verfolgt und habe großen Respekt vor Leo Khasin, wie er – lose angelehnt an die damaligen Ereignisse – es geschafft hat, diese Unfassbarkeiten in eine Satire zu verwandeln, ohne die Gegenseite zu diffamieren.