14.03.2018 Weimar: Portraits von ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald. Ausstellung 2019 "seht die zeugen" / Foto: Thomas Müller

Weimar: Open-Air-Ausstellung über Buchenwald-Überlebende

Insgesamt 16 Portraits von Buchenwald-Überlebenden zeigt die Open-Air-Ausstellung „Die Zeugen“ in Weimar. Sie erinnern Einheimische und Besucher an die Schrecken und Leiden in dem KZ vor den Toren der Stadt.

Der Bahnhofsvorplatz in Weimar in der milden Abendsonne: Drei Musiker spielen Klarinette, Gitarre, Bass. Rings um sie stehen rund 100 Menschen, jung und alt, ein paar Politiker darunter, aber die meisten sind einfach Interessierte.

Neben den Musikern steht ein Portraitfoto. Schwarz-weiß, überlebensgroß, etwa zwei mal ein Meter. Ein alter Mann in gestreifter und verschlissener Häftlingsuniform, mit Häftlingsmütze, lächelt den Betrachter offen an. Petro Mitschuk, geboren 1926 in der Ukraine, wo er heute noch lebt.

Gebet für die Opfer

Ab März 1944 war er im KZ Buchenwald. Heute ist er ein Überlebender. Ein Zeitzeuge. Ein Zeuge. Sein Foto und die 15 anderen entlang der Straße in Richtung Stadt sollen die Erinnerung an das KZ Buchenwald in den Stadtraum bringen. Gerade zur Eröffnung des Bauhaus-Museums, wenn viele Besucher kommen, und vor dem Jahrestag der Befreiung des KZs am 11. April.

Der Landesrabbiner Alexander Nachama singt ein Gebet.

Gott, du bist voll Erbarmen, der du in der Höhe thronst. Schenke vollkommene Ruhe für unsere Brüder und Schwestern, die Heiligen und Reinen, die ermordet und verbrannt wurden, weil sie dir treu geblieben sind. Wir gedenken besonders derer, die in Buchenwald ermordet wurden. Mögen ihre Seelen aufgenommen sein im Bunde des ewigen Lebens! Und so sprechen wir: Amen.

Der Fotograf berichtet

Die Fotoausstellung ist ein Koproduktion der ACHAVA Festspiele mit der Stadt Weimar und der Buchenwald-Stiftung. 16 Portraits stehen für die immer weniger werdenden Buchenwald-Überlebenden. Der Weimarer Fotograf Thomas Müller hat sie abgelichtet.

„Tatsächlich war das ein Wunsch, den ich seit vielen, vielen Jahren hatte, diese Menschen zu portraitieren. Wir habe vor zwei Jahren tatsächlich damit angefangen, um ein paar Portraits im Rahmen der Buchenwald-Gedenkwoche aufzunehmen. Das hat sich dann letztes Jahr fortgesetzt, und das ist daraus geworden. Ursprünglich nie als Ausstellung konzipiert, sondern als Herzensprojekt gestartet.“

Einer von vielen

Das sieht man den Bildern an. Die Frauen und Männer sind vor schwarzem Hintergrund perfekt ins Licht gesetzt. Nichts Ablenkendes. Was hat es ihnen bedeutet, fotografiert zu werden, in Deutschland, in Weimar so nah dem Ort ihres Leidens?

Bild: ACHAVA Festspiele

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