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Rassismus

Blackfacing, Rassismus und Faschingskostüme

Der Mexikaner hat einen Sombrero, der Indianer eine Feder: Karnevalskostüme brechen ganze Völker auf ein paar Stereotype herunter. Mittlerweile führt das zu heftigen Rassismus-Diskussionen. Ganze Karnevalsvereine benennen sich um.

In diesen Tagen werden in vielen Landstrichen Deutschlands wieder hektisch Kellerkisten durchwühlt und Dachböden aufgesucht. Wo ist mein Kostüm? Wie immer kommt Karneval, Fastnacht oder Fasching viel zu schnell und gefühlt komplett überraschend. Gut also, dass man über die Jahre ein paar Klassiker angesammelt hat – vielleicht ein Indianerkostüm, vielleicht eine Afrolook-Perücke. Folgt man bestimmten Stimmen, fängt das Problem da schon an.

Was in den USA an Halloween schon seit längerem diskutiert wird, sickert mittlerweile in die deutsche Karnevalskultur ein. Es ist die Frage, ob ein Kostüm politisch korrekt sein muss. Und ob es rassistische Kostüme gibt, die andere Kulturen beleidigen. Oder ob man gerade in der fünften Jahreszeit auch mal politisch fünfe gerade sein lassen sollte.

Die Kölner Afrikanistik-Professorin Marianne Bechhaus-Gerst hat dazu eine klare Meinung: Natürlich gebe es rassistische Kostüme. “Gerade hier in Köln gibt es noch eine ganze Reihe von Karnevalsvereinen, die Blackfacing vornehmen. Das heißt, sie verkleiden sich als Fantasie-Afrikaner mit Baströckchen und Knochenkette, mit denen sie dann alte, stereotype Bilder bedienen”, sagt sie. “Man ist damit nicht unbedingt Rassist. Aber es ist eine rassistische Verkleidung.” Es treffe Menschen, die sich reduziert fühlten. Und der Bastrock sei nur ein Beispiel. “Ich würde mir wünschen, dass es auch eine Diskussion über das Indianerkostüm gibt und was daran problematisch sein könnte. Dass es sich dabei um eine europäische Fantasie über eine Menschengruppe handelt, die nichts mit der Realität zu tun hat.”

“Zeit des Kolonialismus nicht ausreichend aufgearbeitet”

In eine ähnliche Kerbe schlug 2017 die Plakatkampagne “Ich bin kein Kostüm!”. Die Beteiligten – darunter der Antidiskriminierungsverband Deutschland – kritisierten, dass die “Zeit des Kolonialismus und der sogenannten “Entdeckungen”, die mit Massenmorden und anderen Gräueltaten einhergingen”, bislang nicht ausreichend aufgearbeitet worden sei. “Das sog. “Indianerkostüm” und andere diskriminierende und teils romantisierende Bilder bestimmter Gruppen geben die Älteren so immer wieder an die nächste Generation weiter.”

Entzündet sich eine derartige Diskussion, wird sie mit großer Vehemenz geführt. Bei dem an der Kampagne ebenfalls beteiligten Verein Öffentlichkeit gegen Gewalt gibt man heute zu “Ich bin kein Kostüm!” kein Interview mehr. Die Gegenreaktion zu dem Vorstoß sei einfach zu heftig gewesen.

Bild: Lahrer Zeitung / Robin Van Lonkhuijsen

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