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Den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag machen

Berlin/Ganderkesee (ots/fs) – Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano hat vorgeschlagen, den 8. Mai bundesweit zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. Als “Tag der Befreiung” vom Faschismus. Solch ein Tag biete Gelegenheit, aus der Geschichte zu lernen, vor allem die “entscheidende Lektion”.

Das Original: Der Schwur von Buchenwald / Foto: buchenwald.de

Bejarano ist zuzustimmen. Der 8. Mai eignet sich als Gedenktag, ist als solcher in Deutschland gar überfällig. Er wäre ein offizielles Statement gegen jene Neofaschisten, für die der Nationalsozialismus ein “Vogelschiss in der deutschen Geschichte” ist, für die, die eine “erinnerungspolitische Wende” fordern, für jene, die Sehnsucht nach einer “heilen”, “unbefleckten” deutschen Geschichte haben.

Wie so oft bleibt bei einem staatlichen Gedenken jedoch die Gefahr, dass es zu einer inhaltsleeren PR-Inszenierung verkommt. Ohne Bezug zum Jetzt, ohne Mitwirkung der noch heute von Diskriminierung Betroffenen, ohne Handeln. Auch vor rechter Vereinnahmung ist man nicht gefeit. CDU-Politiker benutzten jüngst das Holocaust-Gedenken, um gegen Muslime zu wettern. AfD-Abgeordnete zeigten NS-Opfern geheuchelte Anteilnahme, wollten damit provozieren und sich als Demokraten inszenieren.

Antifaschistisches Gedenken bedeutet dagegen, Verantwortung zu übernehmen. Den Schwur von Buchenwald ernst zu nehmen. Es bedeutet zuzuhören und das Gesagte weiterzutragen, Relativierer und Schlussstrichzieher auszugrenzen und zu bekämpfen. Das geht an jedem Tag im Jahr – und besonders gut am 8. Mai.

Der Schwur von Buchenwald

Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von der Nazi-Bestie und ihren Helfershelfern ermordeten 51 000 Gefangenen!
51 000 erschossen, gehenkt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, verhungert, vergiftet, abgespritzt.
51 000 Väter-Brüder-Söhne starben einen qualvollen Tod, weil sie Kämpfer gegen das faschistische Mordregime waren.
51 000 Mütter und Frauen und Hunderttausende Kinder klagen an!
Wir lebend Gebliebenen, wir Zeugen der nazistischen Bestialität, sahen in ohnmächtiger Wut unsere Kameraden fallen.
Wenn uns eins am Leben hielt, dann war es der Gedanke: Es kommt der Tag der Rache!
Heute sind wir frei!
Wir danken den verbündeten Armeen der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt den Frieden und das Leben erkämpfen.
Wir gedenken an dieser Stelle des großen Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines Organisatoren und Initiatoren des Kampfes um eine neue, demokratische, friedliche Welt, F. D. Roosevelt. Ehre seinem Andenken!
Wir Buchenwalder, Russen, Franzosen, Polen, Tschechen, Slowaken und Deutsche, Spanier, Italiener und Österreicher, Belgier und Holländer, Engländer, Luxemburger, Rumänen, Jugoslawen und Ungarn, kämpften gemeinsam gegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung.
Uns beseelte eine Idee: Unsere Sache ist gerecht – Der Sieg muß unser sein!
Wir führten in vielen Sprachen den gleichen harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!
Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens:
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach:
WIR SCHWÖREN!

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