Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi". / Foto: Screenshot Youtube

Endlich Quarantäne für die Migranten von der “Alan Kurdi”

Rom/Ganderkesee (fs) – Rund 145 Migranten mussten lange auf dem deutschen Rettungsschiff “Alan Kurdi” ausharren. Doch nun ist es sicher, dass sie an diesem Freitag auf ein italienisches Schiff auf Quarantäne kommen. Das Quarantäne-Schiff liegt vor Sizilien und wird in der Corona-Krise vom Roten Kreuz versorgt. Dieses teilte das italienische Verkehrsministerium heute Nachmittag in Rom mit. Indes ist aber noch unklar, was nach der zweiwöchigen Isolation mit den Migranten geschieht.

Zuspitzung der Lage

Die Lage auf dem deutschen Rettungsschiff hatte sich in den letzten Tagen nach Auskunft der Hilfsorganisation Sea-Eye extrem zugespitzt. Seit mehr als zehn Tagen harren Migranten und die Crew auf der “Alan Kurdi” aus. Sea-Eye teilte auch mit, dass sich ein Migrant versucht habe das Leben zu nehmen und ein weiterer habe sich selbst verletzt. Drei von den 149 Migranten an Bord wurden daher bereits von der italienischen Küstenwache übernommen und in Sicherheit gebracht. Derzeit liegt das Schill vor Palermo.

Auch die Crew muss in Quarantäne

Gegenüber der dpa erklärte der Sprecher von Sea-Eye, Gordon Isler, dass auch die Crew mit größter Wahrscheinlichkeit in Quarantäne müsse. Die Organisation, wie auch die Crew, zeigen sich sehr erleichtert über den Transfer.

Italien hat gezeigt, dass es trotz der beispiellosen, gesundheitlichen Herausforderungen handlungsfähig bleibt.

Sprecher von Sea-Eye, Gordon Isler

Nun sei es das Wichtigste, dass schnell wieder ein Verteilschlüssel für die nun angekommenen Migranten gefunden werde.

Aus Libyen ins sichere Ungewisse

Malta und Italien hatten ja bereits erklärt, dass sie während der Corona-Krise keine Migranten an Land lassen können, da man die gesundheitliche Versorgung nicht garantieren kann. Die über das Mittelmeer nach Europa kommenden Migranten legen mit ihren zumeist untauglichen Booten im Regelfall in, vom Bürgerkrieg beherrschten, Libyen ab. Dort drohen den Migranten in Lagern schwere Misshandlungen und Folter. Mit dem spanischen Rettungsschiff “Aita Mari” wartet ein weiteres Schiff vor der italienischen Insel Lampedusa. Auf der “Aita Mari” hoffen etwa drei Dutzend Migranten auf einen sicheren Hafen.

Der Willen des Europarates nur ein Wunschdenken?

Dunja Mijatovic ist die Menschenrechtskommissarin des Europarates und die erklärte, dass trotz der Corona-Pandemie die Seenotrettung im Mittelmeer von Migranten fortgesetzt werden müsse. Überlebende sollen ausschließlich in sicheren Häfen von Bord gebracht werden. Mijatovic fordert von den Mitgliedsstaaten des Europarates, dass diese unverzüglich auf Notrufe auf See reagieren müssen.

Die Covid-19-Krise kann keine Rechtfertigung dafür sein, Menschen wissentlich ertrinken zu lassen.

Dunja Mijatovic, Menschenrechtskommissarin des Europarates

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