Ku-Klux-Klan im Rems-Murr-Kreis

Achim Schmid wurde im Rems-Murr-Kreis vom Ku-Klux-Klan rekrutiert. Fast zwei Jahre lang führte er seinen eigenen Klan-Ableger von Schwäbisch Hall aus. Er hat mit unserer Redaktion über seine Radikalisierung, das Gefahrenpotenzial des rassistischen Geheimbundes und seine Abkehr von der rechtsextremen Szene gesprochen.

Sommer 1998, auf einem NPD-Grillfest außerhalb von Winnenden: Zwei Männer sitzen bei einem Bier zusammen. Der eine wird „Tweety“ genannt, er ist Ex-Gitarrist der rechtsextremen Band „Triebtäter“. Der andere ist Achim Schmid, damals ebenfalls ein bekannter Musiker in der Szene. Schmid hat gerade seinen Auftritt hinter sich, als Tweety ihn fragt: „Willsch net bei de Zipfelmitze mitmache?“

Zipfelmitze, das klingt harmlos. Gemeint ist damit aber der rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan, den man sonst eher aus den USA kennt – und auf dessen Konto zahlreiche Morde gehen.

„Zuerst wusste ich nicht, was ich von dieser Frage halten sollte“, erinnert sich Achim Schmid. „Dann dachte ich aber schnell: Ah, Geheimhaltung! Zipfelmitze, das ist ein Codewort. Und überhaupt: die fragen mich! Ich muss nicht mal anklopfen. Ich fühlte mich exklusiv, besonders. Ich sagte ja.“

„Ritterschlag“ vor einem brennendem Kreuz

Über zwei Jahre später, am 4. November 2000, in den Südstaaten der USA: Achim Schmid kniet in weißer Klan-Robe vor dem Anführer eines lokalen Ablegers des Ku-Klux-Klan, im Hintergrund ein flammendes Kreuz. Ein Schwert liegt auf seiner Schulter, wie bei einem Ritterschlag.

Vor wenigen Eingeweihten wird Achim Schmid zum „Grand Dragon“ des „Realm of Germany“ ernannt. Die Worte sind auch in den kriselnden, Schwarz-Weiß-Videoaufnahmen noch gut zu hören, die unserer Redaktion von dieser Zeremonie vorliegen: „Rise and be recognized.“ Erhebe dich und werde erkannt.

Zur Einordnung: Der „Grand Dragon“ ist der zweithöchste Rang in der Klan-Hierarchie, darüber kommt nur noch der „Imperial Wizard“, der große Hexenmeister. „Realm“, das „Reich“, ist die zweitgrößte Einheit innerhalb der territorialen Klan-Struktur. Es steht für einen Staat im sogenannten „Unsichtbaren Imperium“ des Geheimbunds.

Schmid war also plötzlich Anführer eines eigenen Klan-Ablegers namens „European White Knights of the KKK“ (EWK). Und zumindest dem Titel nach einer der mächtigsten Klansmänner in Europa. Wie konnte es so weit kommen?

Angefixt von rassistischen Witzen: Geschichte einer Radikalisierung

Schmid wird in Mosbach geboren. Seine Eltern leben getrennt, seine Mutter zieht ihn groß. Als sein Vater stirbt, ist Achim Schmid acht Jahre alt.

„Angefixt von rassistischen Witzen auf dem Schulhof und rechtsextremer Musik, suchte ich im Alter von 15 Jahren die Nähe einer lokalen Gruppe von Skinheads“, erzählt Schmid. „Skinheads mochten keine Autorität, die meisten wollten sich auch nicht vor einen politischen Karren spannen lassen.“

Dann kam der Mauerfall. Und mit ihnen „Fascho-Skins“ aus dem Osten, die ein „ganz anderes Kaliber“ darstellten. Die Szene wurde plötzlich politischer, die Gewalt zielgerichteter.

Der Ku-Klux-Klan schien damals noch weit entfernt. „Ich erinnere mich, wie ein Skin Anfang der 90er zu mir sagte: Wenn man da Mitglied werden will, muss man einen Arier-Nachweis nach Amerika schicken. Das geht nicht einfach so.“

Blood & Honour: „Ich wollte nur Skinhead sein und Musik machen“

Etwa zur gleichen Zeit fasste das britische Netzwerk „Blood & Honour“ Fuß in Deutschland. Es hatte sich zur Aufgabe gemacht, rechtsextreme Musiker und Konzertveranstalter zusammenzubringen. „Danach wurde alles anders.“

Schmid, der später selbst in Szene-Bands wie „Wolfsrudel“ und „Höllenhunde Süddeutschland“ spielte, vernetzte sich international mit Gleichgesinnten und trat sogar im Ausland auf. „Ich wollte nur Skinhead sein und Musik machen.“

Bild: privat/Screenshot

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