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Kultur Pegida

„Montags in Dresden“: Eine Plattform für Pegida

2025 möchte Dresden als Kulturhauptstadt Europas amtlich anerkannt sein. Die Bewerbung läuft. Wäre Pegida nicht, alles wäre geklärt. Ein Abend mit dem Film „Montags in Dresden“ in der schönsten Stadt im Osten.

Für jeden Dresdner ist Dresden von Natur aus die Kulturhauptstadt der Welt. Dass Dresden es 2025 in Europa sein soll, anerkannt und amtlich, ist für jeden Dresdner so, als würden sie sich um den Titel „Perle des Barock“ bemühen müssen. „Neue Heimat Dresden“ heißt das Motto der Bewerbung für das Jahr 2025. Neue Heimat? Da musste schon jemand kommen wie Michael Schindhelm als Kurator. In der DDR hatte sich Schindhelm mit Angela Merkel ein Büro am Institut für physikalische Chemie geteilt, dann war er Intendant an ostdeutschen Provinztheatern, danach Leiter der Berliner Opernstiftung und zuletzt Kulturmanager und Kulturberater überall, in Dubai, Peking, London, eine Stasi-Akte gibt es auch. Nun sitzt er in der Schauburg, einem Kino in der Dresdner Neustadt, auf der Bühne und erklärt: „Pegida ist kein Standortvorteil.“

Dazu gibt es einen Film, „Montags in Dresden“ von Sabine Michel. Der Pegida-Film lief beim Dokumentarfilmfestival in Leipzig vor 800 aufgebrachten Zuschauern im Hauptbahnhof und ist nach einer Reise durch den deutschen Osten wieder da, wo er vor zwei Jahren gedreht wurde. Er ist, wie die Bewerbung, eine Zumutung für jeden Dresdner, der in der Regel möchte, dass alles immer so bleibt, wie es nie war. Der Film zeigt, welches Stück auf der barocken Bühne der Kulturhauptstadt Montag für Montag aufgeführt wird, seit aus einem Aufmarsch gegen links im Herbst 2014 ein sächsisches Ritual wurde wie der gemeinsame Gesang der Hymne „Ost, Ost, Ostdeutschland“ bei Auswärtsfahrten von Dynamo Dresden und die alljährliche Prozession des Weihnachtsstollens.

Dass der Film Pegida eine Plattform und ein Podium biete, wie die Filmkritik es sieht, und dass der Regisseurin die „dokumentarische Distanz“ fehle, was in der „taz“ getadelt wurde, stimmt schon irgendwie. Darin besteht die Zumutung für jeden, links und rechts. Man lernt drei überzeugte Pegidisten kennen: René Jahn hat die Bewegung mitbegründet, schon im Flüchtlingskrisenjahr 2015 schied er aus dem Führungszirkel aus, weil ihm die radikale Richtung nicht gefiel, und blieb den Montagsumzügen als umtriebiger Aktivist verbunden. Daniel Heimann steht in Pirna dem Verein Pro Patria Pirna vor, er ist befreundet mit Götz Kubitschek, dem klugen Kopf der Neuen Rechten, führt ein eigenes Unternehmen für Elektrotechnik und sieht sich als Paria, weil er die Heimat liebt und in die Kirche geht. Sabine Ban lebt von Hartz IV, ihr Sohn ist schwerbehindert, sie zieht ihn allein groß und fürchtet sich vor dem Bürgerkrieg.

Bild: Screenshot Youtube

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