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Rassismus in der Bild

In einer Zeit, die gar nicht so lang her ist und doch sehr fern scheint, war es einmal Brauch unter hippen jungen Medienmachern, die »Bild«-Zeitung »ironisch« zu lesen. Man erhob sich über Pöbel und Boulevard wie auch über den radikalen Springer-Hass der 68er-Generation, der einem antiquiert und verbohrt vorkam, und nahm das Ganze als Theater. Der damalige Chef Kai Diekmann kam dieser Lektüre gern entgegen, verkaufte »Bild« als »Gesamtkunstwerk«, holte Krawall und Blödelei und sogar das eine oder andere liberale Feigenblatt in ein Journal, das vormals mit Desinformation, Ufo-Sichtungen und knallhart homophoben Kampagnen (»Lesbe fuhr vier Frauen tot«) Geld verdient hatte.

Unter den neuen politischen wie medienökonomischen Notwendigkeiten lässt man die Feigenblätter fallen. Bei Diekmanns Nachfolger Julian Reichelt hat es sich mit der Ironie (dafür lässt man sich regelmäßig von satirischen Falschmeldungen täuschen). Nachdem »Bild« eine Zeit lang sogar eine »Refugees welcome«-Kampagne fuhr und damit krachend in die Miesen ging, verdient die Zeitung wie ehedem Geld mit Hass auf »Ausländer«.

Diese Woche ging es um den »unfassbaren Fall des Alassa M.«. Unfassbar – ein Wort, das man eventuell mit Terror, Völkermord oder Sexualstraftaten in Verbindung bringt. Erst hinter der Paywall werden M.s unfassbare Taten im Detail aufgelöst: Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er erhielt ein Einreiseverbot – beantragte aber nun erneut Asyl und lebt nun in Stuttgart, u.a. mit staatlicher Unterstützung. Sein genauer juristischer Status wird nun untersucht – allein, für »Bild« ist schon seine Anwesenheit ein Symptom des »Versagens« von Politik und Sicherheitsbehörden.

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